Interview Barren Cross, Teil 2
- Details
- von Daniel Frick, Andreas Voßeler
- 16.04.2012
|
Im Rahmen vom Elements of Rock Festival in der Schweiz hatten unsere Redakteure Andreas Voßeler und Daniel Frick die Möglichkeit, mit den White-Metal-Veteranen von „Barren Cross“ eine Interview über die pionierhafte Vergangenheit der Band, aber auch über aktuelle Pläne mit der Band zu unterhalten. Es gibt viele Anekdoten zum Schmunzeln und spannende Neuigkeiten, für alle, die DIE Pionierband der christlichen Rockmusikszene noch von früher kennen und lieben - Hier Teil 2 des Interviews. Gab es denn einen Zeitraum in eurer Bandgeschichte, in der ihr mit der Musik genug Geld verdient habt, um davon leben zu können? RP: Von 1985 bis 1990 hab ich recht gut von der Band gelebt. Ich kriege noch heute Tantiemen über ITunes. Gott sei Dank gibt es ITunes. (Lacht) Zu der Zeit hatte allerdings auch noch keiner von uns Kinder oder eine Familie, und dafür hat es gereicht. Drei von uns haben in der Zeit davon gelebt. Ich habe so viele Geschichten von christlichen Künstlern gehört, die ihre Häuser verloren haben und solche Dinge. Ich denke, Gott hat seine Hand über uns gehalten. Er hat uns die Gelegenheiten für die Auftritte verschafft und dadurch konnten wir viele Türen öffnen. JLV: Es gibt einen alten Witz: Wie nennt man einen Musiker ohne Freundin? Obdachlos! Wir haben nicht mit unseren Freundinnen zusammengelebt. Wir waren Singles. Keine Familie, keine Kinder. Man muss die ganze Zeit Konzerte spielen und von zu Hause weg sein. Und das haben wir getan. Wir haben 3 oder 4 Jahre damit verbracht beständig überall in Amerika Konzerte zu spielen. Wir haben hier ein Bild für euch. Wir möchten euch bitten, es euch anzusehen, die Personen darauf und wie sie gekleidet sind. Und dann sagt uns, was euch bei dem Anblick als erstes einfällt. (Zeigen das Plattencover von “Rock for the King”)
RP: Bilder wie diese bekomme ich immer wieder gezeigt, dauernd, es ist echt lustig. Das erste was mir in den Sinn kommt, ist, dass ich 45 Kilo weniger gewogen habe. (lacht) Zu der Zeit ging gerade die Glamrock-Ära zu Ende. Um ehrlich zu sein, gibts zu dem Bild eine ziemlich lange Geschichte. Das, was man auf dem Bild sieht, war eigentlich nur die Unterwäsche vom eigentlichen Kostüm. Das war aus Leder, die Lederbeinkleider gingen fast bis zur Hüfte, so dass man eigentlich nur den oberen Teil der Unterwäsche sehen konnte. Nur wurden uns die Lederteile aus dem Auto geklaut und daher konnten wir den Fototermin für das Plattencover eben nur mit dem halben Kostüm machen. Mit der Unterwäsche. (Lacht). Ich weiss nicht, ob ich die Geschichte schon mal jemandem erzählt habe. JLV: Die erste Sache, die ich denke ist: „Was haben die sich dabei gedacht? Was haben sich diese Typen dabei gedacht?“ und „Passen die heute immer noch in diese Outfits rein? Würden Ihnen diese Teile heute immer noch passen?“ Wisst ihr, ob jemand mal herausgefunden hat, daß es nur das halbe Kostüm war? Weil du gerade sagtest, du hättest die Geschichte noch nie erzählt. RP: Wir haben 2002 in Kalifornien ein Konzert gegeben, das wir “Reunion Konzert” nannten. Wir waren damals nicht zur Presse gegangen oder so, aber 1990 hatten wir uns offiziell getrennt. Mike hatte die Band verlassen und Jim und ich haben die Tour mit ein paar Gastmusikern zu Ende gebracht, das war, als wir auch in Deutschland waren. Wir waren schon ein halbes Jahr im voraus gebucht worden und wir hätten einen Monat der Tour absagen müssen. Das erschien mir nicht recht, ich fand, wir hatten uns verpflichtet. Wir haben die Tour im Juli beendet, dann noch auf dem Cornerstone Festival und ein weiteres Konzert in Texas gespielt. Als wir dann nach Hause kamen, war es offiziell zu Ende. RP: Nein, er war zu dem Zeitpunkt schon verheiratet, er nahm nur eine Pause und war nicht ausgestiegen. Also haben wir einen Ersatzschlagzeuger mit auf die Tournee genommen, aber Steve wollte bei den Aufnahmen zur nächsten Platte dabei sein. Er musste einfach mal eine Pause vom Tourleben nehmen und seine Frau besuchen. Es ist ganz schön hart, als verheirateter Mann so lange von zu Hause weg zu sein. RP: Oh Mann, ich hab keine Ahnung. (lacht). Wahrscheinlich hat irgendjemand jemand angerufen, der hat dann jemand anders angerufen und so kamen wir wieder zusammen und haben geplaudert. Ich glaube es war ein Freund von uns, der damals Rugged Records gestartet hat. Ich glaube, er war an uns herangetreten, wahrscheinlich an Steve und hatte uns gefragt, ob wir noch eine Platte machen wollten. Da haben wir dann wieder angefangen miteinander zu reden und uns dann entschieden, noch eine zu machen.
RP: Ich hatte vom Musikgeschäft und dem ständigen unterwegs sein die Nase voll. Ich meine, heute reise ich auch, sogar recht viel, aber es ist eben nicht so wie auf Tour zu sein. Ich bin heute nicht einen ganzen Monat am Stück von zu Hause weg. Ich wollte zu dem Zeitpunkt einfach eine Familie und ich wusste genau, dass dieser Lebensstil absolut nicht dazu passte, verheiratet zu sein und Kinder zu haben. Ich habe zu dem Zeitpunkt also eine ganz bewusste Entscheidung getroffen, aufzuhören. Aber meine Gitarrensammlung ist in der Zeit ordentlich gewachsen. (lacht) Ihr wart ja schon vor sieben Jahren hier am Elements of Rock Festival. Für uns beide und auch viele andere war das ein grandioser Abend und ein tolles Konzert. Wir haben uns alle wieder wie 15 gefühlt. Das ist jetzt auch schon wieder sieben Jahre her und in der Zeit dazwischen gabs Gerüchte, dass ihr die Band wieder aktivieren und auch Songs für ein neues Album aufnehmen wollt. Verrätst du uns, wie da der Stand der Dinge ist? RP: Momentan ist der Plan, dass wir noch dieses Jahr mit den Aufnahmen beginnen wollen. Wir haben neue Musik, das ist nicht das Thema. Wir müssen aber gut überlegen, wie wir das genau angehen möchten und wie das mit unserem jetzigen Lebensstil in Einklang zu bringen ist. Ich möchte nicht mehr auf Tournee gehen, wie kann es also aussehen, wenn wir Konzerte geben? Welche Art von Konzerten wollen wir überhaupt spielen? Es geht also darum, diese Komponente des geistlichen Diensts wieder auf eine gute Art in das Leben, das wir heute führen, zu integrieren. Wir sind also am herumplanen. Wir sind wirklich noch in einem frühen Stadium, es geht um Aufnahmen.
Lass mich so sagen: Wir wollen diesen Sommer was auf die Beine stellen und dann bis Ende des Jahres neues Material aufnehmen. Aber dazu muss eben erst mal klar sein, wie wir dieses ganze Paket zusammenschnüren. Im Moment ist es so, dass der eine in dem einen Staat was aufnimmt, der andere im anderen Staat und irgendjemand setzt das dann wie ein Puzzle zusammen. RP: Nein, es wird die Originalbesetzung sein. Wir versuchen dann eben festzulegen, mit wem und wie wir die Aufnahmen überhaupt machen wollen. Werden wir in ein Studio gehen oder gerade nicht? Werden wir es digital aufnehmen – es geht alles darum, wie genau wir das was wir vorhaben am besten auf Band kriegen. (Lacht) Das kann man ja so gar nicht mehr sagen. Vermutlich landet es auf einer Festplatte oder so. RP: Meine Güte, Nein. Meine Kinder mögen Dance Musik. Das macht mir wirklich Angst (lacht). Ich hör viel Blues und weil ich selber Lobpreis gemacht habe, mag ich auch den Worship-Style ganz gerne zum entspannen. Ich höre viel Stevie Ray Vaughn und Muddy Waters und versuche, mich anhand dieser grossen Vorbilder musikalisch weiterzuentwickeln und so ein bisschen meinen eigenen Stil zu finden. Das macht mir grossen Spass. Stell dir vor, du wärst ein Musikagent und Geld würde keine Rolle spielen. Welche Band würdest du gross rausbringen? Vielleicht kennst du ja eine, von der du findest, daß sie unterschätzt wird. Vielleicht eine gute Nachwuchs-Bluesband? RP: Oh Mann (lacht). Hmm, also wenn ich tatsächlich ein Musikagent mit einem großen Budget wäre, würde ich glaube ich versuchen, eine neue Band auf die Beine zu stellen. Sie würden Musik machen, die mir gefallen würde. Etwas Bluesiges. Ich weiss, daß es viele gute Blues-Bands gibt, die viel zu wenig Zuspruch finden. Irgendwie ist es ja ein Gegensatz, beim Blues geht es ja um Melancholie. Aber wenn man errettet ist, hat sich ja etwas in einem verändert. Es ist schwer, melancholisch über diese positive Veränderung zu singen. Ich würde also ein neues Projekt auf die Beine stellen, das definitiv mit Blues zu tun hätte. Und ich würde es etwas anders angehen und eher versuchen, sie in (säkularen) Clubs auftreten zu lassen anstatt bei christlichen Veranstaltungen. (Gelächter): Nein, uns hat es wirklich Spaß gemacht mit Euch zu reden. Vielen Dank, daß ihr euch die Zeit dafür genommen habt. Wir freuen uns schon sehr gespannt auf das Konzert morgen. |


RP: Ich hab als Landstreicher unter einer Brücke gelebt. (Grinst). Also, lasst mich mal nachdenken: Ich habe geheiratet, wir haben unsere Kinder bekommen und ich arbeitete. Ich arbeitete für eine Bank und seither habe ich immer im Verkauf gearbeitet. Heute verkaufe ich Software. Ich habe dann auch noch meinen Abschluss in Theologie gemacht. Ich habe ein Diplom von der Vanguard Universität, das ist eine christliche Hochschule in Kalifornien. Ich war auch in der Kirche sehr eingebunden, ich leitete den Lobpreis und einen Hauskreis in meiner Gemeinde und war auch im Gemeindevorstand. In der Zeit war ich also auch sehr aktiv, aber eben nicht mit der Band unterwegs. 