The Dawn Of Grace
Sixpence None the Richer
Releasejahr: 2008
Stil: Singer/Songwriter (Folk)
Stil: Singer/Songwriter (Folk)
Referenzen: Leigh Nash, Tess Wiley, Caedmon’s Call, Sarah McLachlan
Fast hätten sie das Weihnachtsalbum zusammengehabt: die Band »Sixpence None The Richer«, bzw. Leigh Nash, Matt Slocum und Band, haben in den letzten Jahren nämlich so einige Weihnachtslieder eingespielt. Dann kam zunächst die Bandauflösung, oder, wie sich später herausstellte, die Bandpause. Also ging nichts mehr mit einem »Saison-Projekt«. Nun, nach ihrem tollen Comeback 2007 starten sie gleich mit einem vollen Weihnachtsalbum durch. Als könnte die Formation sich und ihren Fans kein schöneres Weihnachtsgeschenk machen!
»The Dawn Of Grace« erschien im Oktober 2008 bei ihrem neuen Labelzuhause Nettwerk. Eben da, wo zwei Jahre zuvor bereits die Frontfrau eine plattenfirmenmäßige Heimat fand. Erfreulicherweise enthält der Opus Platte kein recyceltes Material, weder von der Band noch von Leigh Nashs Solopfaden. Solch einer Versuchung widerstehen die wenigsten, SNTR haben es gemeistert! Dennoch finden sich auf dem Werk fünf klassische Weihnachtsstücke, anders geht es wohl heutzutage kaum. Stellt man sich dem Boxentest, weicht die Befürchtung schnell einer Begeisterung! Alle Lieder wurden erfrischend unkonventionell und unprätentiös eingespielt. Das bewährte Produzentengespann Steve Hindalong und Derri Daugherty hat wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet. Der festliche und oft leichtfüßige Singer/Songwriter-Stil steht dem neuen Bandsound gut zu Gesicht.
Wie so oft bei Hindalong/Daugherty hat das Team gleich einige Instrumentalpassagen mit beigesteuert. Eine Mannschaft von Gastmusikern hat ihnen dabei geholfen, so unter anderem Marc Byrd, Eric Darken, Ken Lewis und Leighs Songwriter-Kollegin Kate York. Die Nashviller Studiostreicher The Love Sponge Strings haben unter Tom Howards Leitung ihre dezenten aber wirkungsvollen Auftritte. Als besondere Überraschung gibt es zudem ein wunderbares Duett der Frontfrau mit dem Frontmann von Jars Of Clay, Dan Haseltine. Und das ausgerechnet bei »Silent Night«! Schon die SNTR-Version dieses Klassikers für »City On A Hill: It's Christmas Time« (2002, Essential Rec.) war einst höchst gelungen; so auch hier, ohne sich selbst zu kopieren. Ein schönes Déjà Vu, denn das Duo Nash/ Haseltine verzauberte uns bereits auf dem letzten Album der Tongefäße. Der Überraschungen noch nicht genug, präsentiert uns die nach einem C.S. Lewis-Zitat benannte Band ein Cover von Joni Mitchell (»River«) sowie ein lustiges spanisches Traditional (»Riu Riu Chiu«).
Daneben gibt es mit »The Last Christmas« und »Christmas For Two« zwei neue, eigene Beiträge. Beide sind sehr gelungen und fügen sich prächtig unter die anderen Stücke ein. Ersteres wurde von Matt Slocum und Steve Hindalong geschrieben und hat mit dem gleichnamigen Schmachtfetzen aus dem Dudelfunk nichts am Hut (Gott sei Dank). Vielmehr geht es um die Perspektive einer Mutter auf ihr neugeborenes Kind und damit auch auf die Geschichte von Maria und Joseph. Inspiriert wurde das Lied vom ersten Kind, welches der Familie Slocum im August 2008 geschenkt wurde. Der zweite Song ist eine Kollaboration von Leigh Nash mit Kate York, die bereits auf Nashs Weihnachts-EP 2006 zusammen wirkten. Interessanterweise gibt es neben den absoluten Klassikern wie »Angels We Have Heard On High«, »O Come, O Come Emmanuel« und »Carol Of The Bells« auch zwei weniger bekannte Traditionals zu hören: einmal wäre da das jazzige »Christmas Island« von Lyle Morraines sowie »Some Children See Him« von Alfred Burt. So erklingt alles in allem ein schöner Reigen zeitgenössischer Weihnachtsklänge, mal poppig, mal folkig angehaucht oder auch mal leicht bluesig oder jazzig.
Zwar hat das Weihnachtsmenü von Sixpence None The Richer einen prägnanten Titel (zu deutsch etwa »Aufgang« oder »Anbruch der Gnade«), doch es ist nicht in erster Linie eine »fromme Weihnachtsplatte«. Trotzdem verarbeiten die Bandleute behutsam ihren Glauben. Sie laden mit all den musikalischen Zitaten durchaus ein, sich näher mit dem Sinn und der Bedeutung des Festes auseinanderzusetzen (Schlussballade »Some Children See Him«!), wenngleich das Album primär Stimmungen und Emotionen vermittelt. Leider sind in der puristisch aufgemachten Hülle nicht einmal die Texte abgedruckt; gerade für die beiden Eigenkompositionen hätte das Sinn ergeben. Hier hat sich Nettwerk also nicht gerade mit Ruhm bekleckert, zumal auf dem einzig verwendeten Foto nur Leigh Nash und Matt Slocum aus ihrer »alten Zeit« vor der Bandpause zu sehen sind …
Wer sich nicht so gerne Kitsch-Engelchen ins Fensterchen stellen mag, findet vielleicht eher Gefallen und Inspiration an dem engelsgleichen »Stimmchen« und ihren Freunden. »The Dawn Of Grace« macht Lust zum Verweilen und das nicht nur zu einem Durchlauf.
Die Kunst der Musik
Von David Decker
03.12.2008
Autor: David Decker
80%
Legende:
| 1 - 10 | Katastrophal: Ergreift die Flucht! |
| 11 - 20 | Schlecht: Kaum besser als ein leerer Rohling. |
| 21 - 30 | Enttäuschend: Klingt wie ein Mitschnitt aus dem Proberaum |
| 31 - 40 | Schwach: Bestenfalls Kreisklasse. |
| 41 - 50 | Durchwachsen: Gut hörbar, aber ziemlich belanglos. |
| 51 - 60 | Solide: Kann man auch mal lauter hören, ohne dass einem jemand aufs Dach steigt. |
| 61 - 70 | Gut: Gute Platte. Sicher nicht nur für Genrefans interessant. |
| 71 - 80 | Sehr gut: Ein echtes Klassealbum, besticht durch gute Musik und Texte. |
| 81 - 90 | Herausragend: Absolut herausragendes Top-Album. |
| 91 - 100 | Jahrhundertwerk: Jetzt schon ein Klassiker! |
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