SOUND7.DE - 9. September 2010, 14:39 Uhr
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6 Jahre und kein bisschen leise
Bericht vom »Elements Of Rock« Festival

Bereits zum 6. Mal fand am letzten Wochenende das »Elements Of Rock« Festival in Uster (Schweiz) statt. In diesem Jahr waren am größten christlichen Metal-Festival Europas 14 Bands aus zehn verschiedenen Ländern zu sehen. Tom Liesch war für SOUND7.DE vor Ort.

Ronny Hansen von »Morgenroede«
Das »Elements Of Rock« (»EoR«) hat sich in den letzten Jahren zu einem fixen Termin in meinem Kalender etabliert. Bereits zum sechsten Mal finde ich mich im zentral gelegenen Stadthofsaal in Uster, etwas östlich von Zürich, wieder – dieses Jahr zu einem etwas späteren Zeitpunkt als üblich. Die Hitze macht sich dementsprechend stärker bemerkbar als gewohnt, aber wen kümmert dies schon? Das »EoR« hat sich zu einem Festival mit Familientreffen-Charakter entwickelt und zieht jährlich Besucher aus ganz Europa und sogar aus Übersee an.

Viele Gesichter sind einem vertraut, etliche Situationen kommen einem irgendwie bekannt vor und man bekommt als Besucher wie jedes Jahr eine Vielzahl an tollen Bands, gutem Essen, und verschiedenen Verkaufsständen geboten. Das »EoR«-Team hat sich im Verlaufe der Jahre zu einem harten Kern entwickelt und die Mitarbeiter machen ihre Jobs mit viel Liebe zum Detail. Keine Spur von Gleichgültigkeit – trotz aller Routine! Im Gegenteil: Das Festival ist noch immer so laut wie bei seiner Erstausgabe.


Aus musikalischer Sicht bietet das »EoR« auch in diesem Jahr ein breites Lineup mit Musikern aus aller Welt. Zwei Mal wird den Besuchern ein Gottesdienst mit einer Predigt von Stammgast Pastor Bob Beeman (Sanctuary International, USA) und einer Worship-Zeit unter Leitung von Jim LaVerde (Bassist von »Barren Cross«, USA) geboten.

Der erste Konzertabend wird mit den Sets von »Disobedience« (CH), »Dividing Line« (CH) und »Rift« (D) ordentlich ins Rollen gebracht. Ein erster Höhepunkt ist das Konzert von »Vindex« aus der Slowakei. Die sechsköpfige Classic-Metal-Formation, die vor einem Jahr kurzfristig wegen Krankheit eines Musikers den Auftritt am »EoR« absagen musste, überzeugen mit einer großen Spielfreude und tollen Gitarren-Riffs. Ein erstes Mal sieht man auch andeutungsweise, was alles im Publikum steckt.

»Illuminandi«
Sehr laut und chaotisch wird es dann beim Auftritt von »Inevitable End« aus Schweden. Bei den ersten zwei Songs noch etwas verhalten, bietet die Band während ihrem Set ein Feuerwerk, wie man es bisher noch kaum an einem »EoR« gesehen hat. Das muss man den vier jungen Männern erst einmal nach machen! Die Stimmung in der Halle brodelt und die »Prügel-Metal-Fans« kommen vollkommen auf ihre Kosten! Schon vor ein paar Jahren war die Formation in Uster zu Gast und hat in dieser Zeit eine unglaubliche Entwicklung an den Tag gelegt! Gerne wieder!

Der unbestrittene Höhepunkt des Abends stellt das Konzert von »Illuminandi« aus Polen dar. Die Osteuropäer ziehen die Besucher bereits beim ersten Song vollkommen in ihren Bann. Spielfreude und Kreativität ist jedem einzelnen Musiker der Gothic- und Pagan Metal Combo sofort anzusehen und es gibt auf der Bühne viel zu beobachten. Nicht nur das Cello und die Violine, sondern auch die hohe musikalische Qualität und schließlich die starken Vocals von Frontmann Jan Trebacz stechen einem sofort ins Auge. »Illuminandi« werden ihrer Headliner-Rolle in jeder Hinsicht gerecht – es ist eine wahre Freude ihr Set mitzuerleben! Es ist nur eine Frage der Zeit bis man die Polen öfters im deutschsprachigen Raum zu sehen bekommen wird.

Zu später Stunde zeigt schließlich die finnische und schwedische Formation »Miseration« mit einer starken Death Metal-Performance, dass sich das lange Aufbleiben gelohnt hat.

Am Samstagabend wird es nach einem vielseitigen Tagesprogramm und dem Konzert von »Blood Drift« aus Belgien mit »Morgenroede« aus dem hohen Norden zum ersten Mal so richtig heiß. Die sechsköpfige Formation um Ronny Hansen (Sänger von »Antestor«) beweist auf eindrückliche Art und Weise, dass sie im Moment zu den besten ihres Genres gehören. Die größtenteils sehr jungen Musiker verbinden Gitarren, Keys und Growls zu einem einzigartigen Black Metal, den sich jeder einmal anhören sollte! Trotz den harten Klängen finden die Norweger auch Zeit für einige humorvolle Einlagen – so spritzt Sänger Hansen seine Bandmitglieder und das Publikum beispielsweise immer wieder mit Wasser voll. »Morgenroede« gehört ohne Zweifel die Zukunft!

Dank »Dark Sky« aus Deutschland schlagen die Hardrock-Herzen der Besucher um einiges höher. Obwohl die Band mit Spielfreude nur so trotzt, wirkt der Saal im Vergleich zu anderen Konzerten eher leer. Vor allem jüngere Semester sind auffallend wenig in der Halle zu sehen. »Dark Sky« lässt sich davon aber nicht beeindrucken und spielt ein solides Konzert.

Ian Arkley von »Seventh Angel«
Mit »Theocracy« können die Veranstalter des »Elements Of Rock« eine Europa-Premiere präsentieren. Die Progressive Power Metal Formation um Frontmann Matt Smith weiß das Publikum zu packen und der Saal ist bei ihrem Konzert ziemlich voll. Vor allem Smith zeigt sich während der ganzen Show unermüdlich und spurtet immer wieder den Bühnenrand entlang. Er ist auch der einzige Sänger am diesjährigen »EoR«, der mit weißem Hemd vor die Masse tritt. Trotz einem guten Konzert kommen »Theocracy« live aber nicht ganz an ihr Studioalbum heran. Trotzdem ist ihre Live-Premiere auf europäischem Boden geglückt! Im Herbst werden die Amerikaner wieder in Europa zu sehen sein – dann können sie uns bereits eines Besseren belehren.

Zu einem einmaligen Erlebnis wird das Konzert von »Seventh Angel« aus England. Nachdem sich die Band um Frontsänger Ian Arkley 1992 nach einigen Alben auflöste, kehren sie mit einem tollen Konzert in die Schweiz zurück. Die vierköpfige Band holt sich den Respekt des Publikums mit einer musikalischen Topleistung und einem bodenständigen Auftritt – die vier Musiker lassen nämlich in erster Linie ihre Musik und nicht ihre Show sprechen: Einzigartige Riffs, düstere Growls und präzise Drums machen dieses Konzert zu einem Thrash- und Doom Metal-Spektakel! Ihr Konzert ist für mich zweifelsfrei der Höhepunkt des diesjährigen Elements Of Rock. Die Performance von »Seventh Angel« macht Lust auf ihr demnächst erscheinendes neues Album!

»Cage«-Frontmann Sean Peck
Der Headliner des Samstagabends heißt »Cage« aus den USA. Die fünf Amerikaner um Frontmann Sean Peck zeigen von Beginn weg, dass sie zur Elite des Heavy Metal gehören und spielen ein Konzert auf einem konstant hohen musikalischen Niveau. Peck tritt trotz Hitze in einem langen Ledermantel und Sonnenbrille auf und erinnert dabei unmissverständlich an Bands wie »Iron Maiden« oder »Judas Priest«. »Cage« spielt auf dem »Elements Of Rock« zum ersten Mal in ihrer Karriere an einem christlichen Metalfestival und schlägt so eine perfekte Brücke zur säkularen Metalszene. Die Kalifornier werden ihrer Headliner-Rolle ohne Zweifel gerecht – ihre Show passt von A bis Z. Da stört es auch nicht, dass viele Besucher die Band vor dem »Elements Of Rock« nicht gekannt haben.

In den frühen Morgenstunden bekommt das Publikum mit »Shadows Of Paragon« aus Schweden einen weiteren tollen Black Metal-Act zu sehen, der ebenfalls seine Schweizer Premiere feiert. Das Konzert ist ein würdiger Abschluss eines tollen Festivals.

Wie immer ist das »EoR« ein Garant für musikalische Vielfalt und bietet auch in diesem Jahr viele Neuentdeckungen! Auch bei der sechsten Ausgabe überzeugt das Konzept der Veranstalter in fast allen Belangen. Mit rund 370 zahlenden Besuchern am Freitag und 400 am Samstag plus Helfer, Bands und weitere Gäste haben die Zuschauer einmal mehr zum Ausdruck gebracht, dass sie das »Elements Of Rock« nicht mehr missen wollen!

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das »EoR«-Team und allen Mitarbeitern! Ihr leistet Jahr für Jahr eine ausserordentliche Arbeit, die unseren uneingeschränkten Respekt verdient! Das Datum für die 7. Ausgabe steht schon: 23. bis 25. April 2010. Auf weitere tolle Festival-Ausgaben im Stadthofsaal in Uster. Man sieht sich!


26.05.2009 Thomas Liesch
 
Links ins Web

www.elementsofrock.com
 

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