SOUND7.DE - 7. September 2010, 06:40 Uhr
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Das etwas andere Metalfestival
Elements Of Rock

Bereits zum fünften Mal pilgerten am letzten Wochenende Metalheads aus ganz Europa in die Schweiz zum Elements Of Rock Festival. Man kam um Freundschaften zu pflegen und um gute Bands auf der Bühne zu sehen - in diesem Jahr waren es 13 an der Zahl. Für SOUND7.DE war Thomas Liesch live vor Ort.

Es ist kaum zu glauben, dass schon wieder ein Jahr vorüber ist und das Elements Of Rock bereits zum fünften Mal über die Bühne geht. Vor dem Stadthofsaal in Uster hat man wie jedes Jahr eine Art Deja-Vu. Viele schwarze Gestalten, die sich friedlich um den Eingangsbereich scheren. Man redet miteinander, lacht, trinkt ein Bier und genießt die Gemeinschaft. Im Foyerbereich angekommen sieht man viele bekannte Gesichter, man kann sich hinsetzen und etwas essen und trinken oder bei den CD-Verkaufsständen nach einer guten Platte herumstöbern. Die Stimmung ist friedlich und erinnert an eine Zusammenkunft von guten Freunden - etwas, was das Elements Of Rock sehr auszeichnet und zu einem einzigartigen Event macht.

Der erste Festivaltag hat aber auch musikalisch viel zu bieten. Ingesamt fünf Bands beehren das Publikum mit Stilen unterschiedlicher Metalrichtungen. »Arcane Legion« aus Eckeförde in Deutschland eröffnen das Festival mit einer Prise Powermetal. Die Band, die erst vor gut einer Woche als Ersatz von »Vindex« verpflichtet wurde, machte einen sehr guten Job und zeigte mit ihrer Show, dass in Zukunft mit ihr zu rechnen ist. Das Publikum ist bei ihrem Konzert aber eher noch in abwartender Haltung und der Funke springt deshalb noch nicht über.

Dann folgt die einzige Übersee-Band des Festivals: »Dbeality« um Frontmann David Benson, der von den »Narnia«-Musikern C.J. Grimmark und Andreas Olsen sowie vom »Modest Attraction«- Drummer Mick Nordestrom begleitet wird. Auch bei dieser Band ist das Publikum zu Beginn etwas zurückhaltend, nach den ersten drei Songs kommt aber zum ersten Mal ordentlich Stimmung auf in der Halle. Musikalisch vermögen einmal mehr die Gitarren zu überzeugen, aber auch die Drumparts sitzen hervorragend. Bis zum Ende kann ich mich aber nicht so recht mit der Stimme von David Benson, die oft mit derjenigen von »Ozzy Osbourne« verglichen wird, abfinden.

Drottnar
Als nächstes ist der Headliner des Abends an der Reihe: »Drottnar« aus Norwegen sind nach 2004 zum zweiten Mal am Elements Of Rock zu Gast. Die Black-Metaller treten in alten Anzügen der russischen Armee auf (inkl. Mütze) und überzeugen von Beginn weg mit einer einheitlichen und durchdachten Performance. Ihre Musik ist wie erwartet sehr komplex und auf einem technisch beeindruckend hohen Niveau. Es ist ein wirkliches Erlebnis ihr Set zu sehen, aber für manche Zuschauer scheint ihre Technik und Spielweise ein wenig zu komplex zu sein - teilweise ist es wirklich schwer ihnen zu folgen, vor allem wenn man ihren Sound nicht kennt. Das konnte den vielen »Drottnar«-Fans aber egal sein. Ihr Set war das mit Abstand beste des Abends.

Nach dem Headliner folgen interessanterweise weitere zwei Bands - das hat es selbst beim Elements Of Rock noch nie gegeben. »Kreyson« aus der Tschechischen Republik sind zum ersten Mal auf dem Festival vertreten. Man sieht ihnen an, dass sie schon lange im Geschäft sind und sie überzeugen mit einem coolen Set vor allem auch die Heavy Metal Freunde. Obwohl sie nicht die Sprache des Publikums sprechen springt der Funke gut über - sie sind eine grosse Bereicherung für den ersten Festivaltag.


Der Freitagabend wird geschlossen von Exaudi aus Dresden. Die deutsche Gothic/ Doom Metal Band hat einen langen Linecheck und kämpft mit der Technik. Als die Show endlich beginnt, ist noch einmal eine ordentliche Menge im Saal anzutreffen – schließlich hatten sich viele Besucher auf die Elements Of Rock- Rückkehrer gefreut. Gewaltig ist wie immer ihr Bühnenauftritt: Mönchskutten in schwarz und weiß, riesige Kerzen am Bühnenrand und eine Intstrumentenvielfalt mit Gitarre, Bass, Piano, Violine und Schlagzeug.

Musikalisch kann man der Band auch nichts vorwerfen, aber so richtig springt der Funken leider nicht über. Wieso ist schwer zu sagen, aber es könnte daran liegen, dass sowohl die Band als auch das Publikum sehr Müde wirken. Nichtsdestotrotz ist das Konzert von Exaudi ein schöner und besinnlicher Abschluss des ersten Tages.

Der folgende Tag beginnt mit einem Gottesdienst um 10:30 mit einer Lobpreiszeit um Jim LaVerde (Barren Cross) und einigen Gastmusikern. Die Predigt wird wie jedes Jahr von Bob Beeman (Sanctuary International, USA) gehalten und soll sehr eindrücklich gewesen sein. Ich von meiner Seite kann leider nicht am Gottesdienst als auch an den Seminaren vom Nachmittag teilnehmen und mache mich erst gegen Abend wieder nach Uster auf.

»Morgarten« heisst die erste Samstagsband und beglückt das Publikum mit einem feinen Black Metal Set. Die vier jungen Musiker aus der Romande, der französischsprechenden Schweiz, machen einen guten Eindruck und zeigen, dass sie zu den größten Nachwuchshoffnungen der Schweizer Metalszene gehören. Vor allem ihre Bühnenpräsenz und Entschlossenheit vermag dabei zu überzeugen. Wenn die Band weitere Liveerfahrungen sammeln kann und dranbleibt, liegt ihnen eine grosse Zukunft bevor.

Coriger wird es bei »Horatio« aus Genf in der Schweiz. Die fünfköpfige Formation bestehend aus 16 - 22 jährigen Musikern geht ab wie wohl keine andere Band an diesem Abend. Das Publikum bleibt während den ersten zwei Songs kritisch und zurückhaltend, spätestens beim dritten Song bildet sich aber ein ansehlicher Pogoring und vor allem die jüngeren Besucher scheinen total auf die Metalcore-Sounds abzufahren. Obwohl »Horatio« die einzige Vertretung der Core-Musik darstellt, fallen sie überhaupt nicht aus dem Rahmen. Im Gegenteil, sie sind eine große Bereicherung für den Event und zeigen eindrücklich, dass man für eine gute Show noch ganz jung sein kann.

Dann wäre eigentlich zum ersten Mal in der Geschichte des Elements Of Rock eine Band aus Südamerika auf dem Programm gestanden. Leider musste »Obed« wegen fehlendem Visum ihre gesamte Europatournee absagen, wovon auch das EoR nicht verschont blieb. Die Veranstalter haben aber schnell reagiert und die Holländische Death Metal Formation »Docile« verpflichtet. Deren Musiker zeigen bei ihrem Set auf eindrückliche Art und Weise, dass sie ganz und gar nicht als Ersatzband anzusehen sind. Im Gegenteil, die Band spielt ein starkes Konzert und bringt die Halle gekonnt zum Kochen, sodass keiner der »Obed«-Absage nachtrauert. Teilweise ist ihre Performance noch leicht verhalten und es sitzt auch noch nicht jeder Ton und Rythmus. Mit »Docile« ist in Zukunft aber auf jeden Fall zu rechnen!

Wieder ein wenig klassisch wird es bei der italienischen Band »Metatrone«. Die Formation aus Sizilien hat eine lange Anreise auf sich genommen um in Uster dabeizusein und werden während ihrem starken Gig vom Publikum sehr unterstützt. Vor allem die Stimme des Frontmannes vermag zu überzeugen und die Band bringt eine feine Mischung aus Power, Progressive, aber auch Heavy Metal auf die Bühne. Hoffentlich schaffen sie es in der Zukunft auch noch in nördlichere Gefilde.

Als nächste Band ist ein erstes richtiges Highlight angesagt: »Thy Bleeding Skies« um Frontmann und Gitarrist Claudio Enzler (»Sacrificium«) und Drummer JJ Kontoniemi (»Deuteronomium«) heizen die Halle mächtig auf. Ihr Konzert überzeugt mit starken Vocals, guten Riffs und präzisen Drums. Es ist erstaunlich wie gut dieses Nebenprojekt harmoniert und wie die Jungs auf der Bühne gemeinsame Sache machen. Erst vor wenigen Wochen ist ihr erstes Album erschienen - es bleibt sehr zu hoffen, dass bei dieser Band auch in Zukunft noch einiges geht!

Seventh Avenue
Dann ist der Headliner des Abends an der Reihe. Vor zwei Wochen am Legends Of Rock waren sie noch die Opener, heute Abend sind sie die Hauptattraktion. Es ist die Rede von »Seventh Avenue« aus Wolfsburg. Die Show der Classic/ Power Metal Formation überzeugt von A bis Z und es ist eine wahre Freude ihnen zuzuschauen. Vor allem in der Publikumskommunikation und dem Auftreten sieht man, dass die Jungs schon seit Jahren im Geschäft sind. Die fünf Männer werden ihrer Headlinerrolle in jeder Hinsicht gerecht. Ihr Aufritt ist eine Freude!

Mit »Deuteronomium« ist eine wahre Metallegende am Elements Of Rock dabei. Die Band wurde bereits 1993 gegründet und hat sich nach einigen Alben und einer längeren Pause vor wenigen Monaten wieder zusammengefunden. Der Aufritt der finnischen Formation ist ein richtiges Highlight. Der Melodic Death Metal kommt beim Publikum hervorragend an und Frontmann Mika Partala schafft es einen hervorragenden Draht zu ihm herzustellen. Auch musikalisch ist die Band immer noch auf einem sehr hohen Niveau und es freut die Zuschauer sehr, als ein neues Album und eine Rückkehr in der Schweiz in der Zukunft angekündigt werden.

Den Abschluss den Abends machen »Monoblock«, die ich aber wegen der Verspätung des Programmes leider nicht mehr anschauen kann.

Das Elements Of Rock war wie immer ein ganz feines Erlebnis, man bekam viele neue Bands zu sehen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Metal-Stilen, viele bekannte Gesichter sind einem über den Weg gelaufen und so konnte man an einem Wochenende so richtig abschalten. Was wäre ein Jahr ohne Elements Of Rock? Dieses Festival ist für viele Leute aus ganz Europa zu einer Tradition geworden, was darauf hoffen lässt, dass diese noch viele Jahre weiter bestehen kann.


28.04.2008 Thomas Liesch
 

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