»was hat dies und mehr mit Christus noch zu tun?«
Pater Klaus Mertes SJ bezieht Stellung zu Bittlingers »Mensch Benedikt«
Von Pater Klaus Mertes SJ 22.09.2008
Viel Aufsehen hat das Lied in von Clemens Bittlinger in den letzten Tagen und Wochen erregt. Doch was bisher fehlte, war ein Statement von katholischer Seite. Darum bemüht, hat SOUND7.DE bei Pater Klaus Mertes SJ angefragt - der sofort bereit war, in den Dialog mit dem Song »Mensch Benedikt« und folglich mit Clemens Bittlinger zu treten. Folgend: sein Statement.
»...was hat dies und mehr mit Christus noch zu tun?«
1.
Diese Frage könnte Papst Benedikt sicherlich dem Liedermacher Clemens Bittlinger beantworten, wenn dieser Zeit für den gewünschten Spaziergang hätte. Ich könnte es auch, wenn ich Bittlinger als Gesprächpartner genügen würde. Vielleicht würden ihn meine oder Benedikts Antworten nicht überzeugen. Vielleicht würden meine und Benedikts Antworten auch nicht exakt dieselben sein; schließlich gibt es ja auch innerkatholischen Pluralismus. Bei manchen Fragen würde ich Bittlinger einfach sagen: Die Frage ist falsch gestellt. Zum Beispiel Latein: Die Messe wird seit dem 2. Vatikanischen Konzil auch weiterhin auf Latein gefeiert, wenn dies aus angemessenen Gründen nahe liegt; worum es unter Papst Benedikt neuerdings ging, war die Erlaubnis, die Messe im tridentinischen Ritus zu feiern.
Oder ich würde Bittlinger fragen: Was reitest Du in deinem Interview auf den Mariendogmen herum? Du betest doch auch das christliche Glaubensbekenntnis. Steht da etwa nichts über Maria? Und im Evangelium auch nicht? Und warum ziehst Du den uralten Loisy wieder aus der Kiste? Es behauptet doch kein einziger ernst zunehmender Theologie einschließlich Benedikt, dass der historische Jesus das Papsttum in seiner heutigen Form im Blick hatte, als er Petrus den »Fels« nannte. Du baust Pappkameraden auf, um sie anschließend abzuschießen. Das ist eine billige Methode.
Papst Benedikt neigt dazu, »klare Kante« zu zeigen und hat auch an manchen Stellen Missverständnisse ausgelöst. Wohlmeinend kann ich verstehen, was er eigentlich sagen wollte, als er von der Sehnsucht aller Völker nach Christus sprach; konkret war es unklug, in Brasilien so zu sprechen. Und was die Frage der Verhütung betrifft, so bleiben auch bei Katholiken offene Fragen, z.B.: Wann ist Verhütung »natürlich«, wann ist sie »künstlich«? - um es mal bei der Fragestellung des Liedes zu belassen. Ich kann es nur begrüßen, wenn solche Fragen gestellt werden. Aber was ich nicht verstehen kann, das ist, wie man über das Thema »Kirche« so reden kann, wie es Bittlinger tut. Er ist ja schließlich auch gelernter Theologe. Wundert er sich da, wenn das katholische Lehramt sagt: Ihr versteht unter Kirche
wirklich nicht dasselbe wie wir? Ich bedauere diese Zuspitzung.
2.
Mit gefallen das Lied und der Ton von Bittlinger nicht besonders. Aber gar nicht gefallen mir bestimmte Reaktionen, von denen ich höre. Ich würde ihnen den Titel »katholisch«" absprechen und sie einfach »durchgeknallt« nennen. Im Übrigen sind Mordandrohungen Straftaten. Der Chef von Clemens Bittlinger hat dazu das Nötige gesagt: »Hier zeigt sich ein Potenzial an Gewalt, Selbsterhöhung und fundamentalistischer Intoleranz, das als Gefahr
jeder Religion und Konfession innewohnt.« Das ist wohltuend brüderlich formuliert.
Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, darüber zu spekulieren, was hinter diesen durchgeknallten Reaktionen an ernsthaften Anliegen steckt. Es gibt Reaktionen, denen man einfach widerstehen muss. Keine angebliche oder tatsächliche Verletzung von Gefühlen rechtfertigt Morddrohungen und wüste Beschimpfungen. Im Evangelium steht etwas anderes über den Umgang mit Verletzungen. Das sollten sich diese Leute hinter die Ohren schreiben, die so überaus katholisch und christlich tun.
Natürlich gibt es Verletzungen. Ich kann mit vorstellen, dass der Text von Bittlinger Gefühle von Katholiken verletzt. Ich als Katholik habe ein theologisches und geistliches Verhältnis zu Kirche. Ich wünsche, dass meine Liebe zur Kirche respektiert wird, auch von Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass man eine Kirche überhaupt lieben kann. Im Übrigen kann man auch die Kirche aus Liebe zu ihr kritisieren. Nicht jede Kritik ist lieblos. Ich kann mir auch vorstellen, dass die »klare Kante« von Benedikt XVI. verletzt. Wenn man zu Protestanten so spricht, dass bei ihnen ankommt: Ihr seid »nur« kirchliche Gemeinschaften, dann darf man sich über Ärger nicht wundern. Wenn man Opfer verschweigt, verletzt man sie. Auch das kann ich nachvollziehen. Solche Verletzungen sollten unter Christen und
überhaupt unter Menschen unterbleiben.
3.
Es gibt Verletzungen, die unterbleiben sollten, aber es gibt auch Verletzungen, die nicht vermeidbar sind. Der Grund, dass ich verletzen könnte oder werde, kann letztlich nicht der Grund sein, zu schweigen, wenn das freimütige Wort dran ist. »Die Menschen verletzen einander dadurch, dass sie einander nicht verletzen wollen«, sagte mir kürzlich ein trockener Alkoholkranker, der in seiner Entzugstherapie entdeckt hatte, dass jahrelang niemand aus seinem Freundeskreis ihn auf sein offensichtliches Problem angesprochen hatte, obwohl alle es kannten. Wenn wir einander nur verschonen, dann verweigern wir uns gegenseitig die Begegnung in Offenheit und Wahrheit. Es gibt eine Behutsamkeit, die an Feigheit grenzt und das Gegenüber nicht mehr ernst nimmt.
In diesem Sinne meine ich: Papst Benedikt wird den Ton von Clemens Bittlinger aushalten und seine Fragen beantworten können. Er wird sicherlich den Freimut haben, weiter zu sprechen und dabei auch Risiken eingehen. Und Clemens Bittlinger sollte von allen Katholiken in Schutz genommen werden gegen die Orgien der Irrationalität. Morddrohung -
ungeheuerlich! Gott bewahre uns und vor allem Papst Benedikt vor solchen Verteidigern!
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SOUND7.DE berichtete bereits:
Das Video zum Lied
Das Interview mit Bittlinger zum Song "Mensch, Benedikt!"
Die Songdevotion zum Song "Mensch, Benedikt!"
Ein Streitgespräch zwischen Karoline Kuhla und David Brunner
Statement von Clemens Bittlinger zu den Anfeindungen
Links ins Web
http://www.friedensgebet-berlin.de/index.html
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»Die im STATEMENT geäußerten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.«
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Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau, Prof. Dr. Dr. h.c. Pfarrer Peter Steinacker , hat SOUND7.DE gegenüber ein Statement zu den jüngsten Geschehnissen um Clemens Bittlinger...
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