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»KAT im b-flat«

Erkenntnisse und Beobachtungen eines Berliner Abends


Von Karoline Kuhla 15.05.2008


Schon lange stand dieser Termin in meinem Kalender. Deshalb freute ich mich auf den Abschluss dieses sonnigen-wie-es-sonniger-nicht-geht Pfingstwochenendes. Und das nicht nur, weil der Eintrag in meinem Kalender sich reimt: »KAT im b-flat.«

Das b-flat ist ein außergewöhnlicher Club mitten in Berlin-Mitte am Hackeschen Markt. Zwei große Schaufenster öffnen sich zur Straße, in der Mitte eine Tür, durch die der Laden tagsüber betreten werden kann. Doch jetzt, abends, ist diese Tür verschlossen, denn genau vor ihr und den beiden Schaufenstern liegt die Bühne. Besucher betreten den Club folglich über den Seiteneingang. Ich suche mir einen Platz am Rand, die Wand zum Rücken, der Blick ungestört und seitlich auf die Bühne. Und da entdecke ich auch schon die erste »Spur« von »KAT«: ein DinA4-Bogen auf dem Bühnenboden unter´m Mikro, beschrieben in dieser unverwechselbar stylischen Handschrift. Früher dachte ich, die Schrift sei computergedruckt, bis ich – als Besitzerin einer CD mit persönlicher Widmung – feststellen konnte, dass sie einer menschlichen Hand entspringt. Und diese Hand hat sich nun also auf einem Zettel die Liedfolge für den Abend notiert.

Ein gemischter Abend ist im b-flat geplant: »Womans voices«. Und »KAT« wird ihn eröffnen. In einem Sommerkleid mit Stiefeln und einer weißen Stoffjacke mit lässig hochstehendem Kragen betritt sie die Bühne. Zart und filigran sind ihre Gesichtszüge, noch zarter als man von Fotos meinen mag. Und mitten drin die Knopfaugen, die beim Singen aufleuchten. Rechts und links wird sie auf der Bühne jeweils von einem Herren mit Akustikgitarre flankiert, die sie im Laufe des Abends als Björn Krüger und Thorsten Sala vorstellt. Auch auf ihren Mann – was sich die folgenden Künstlerinnen dann zum Vorbild nehmen - verweist sie. Immer wieder. Mehrmals am Abend. Ich habe nicht mitgezählt, aber so 5-7 Andeutungen könnten es gewesen sein. »Zeig mir, was Liebe ist«...

Von den sieben Songs ihres Sets stammen fünf von ihrem »Sehnsucht«-Album. Ich gestehe: ich hatte mir lange nicht mehr die Zeit genommen, die CD zu hören – denn »nebenbei« kann man diesem Album nicht gerecht werden. Doch sobald »KAT« die ersten Lieder sang, war alles wieder da: Die Melodien waren parat, die folgenden Textzeilen noch im Ohr. Silbrig ist ihre Stimme, wenn sie zart singt. Silbrig, wie ich es sonst nur von den grandes dames der Musik kenne. Und während sich der Gedanke »Mensch, das ist WIRKLICH eine gute Stimme« noch formt, fährt »KAT« sie auf der Bühne erst richtig aus. Kraft und echte Leidenschaft stecken in ihr und kommen bei Songs wie »Himmelskörper« oder »Sehnsucht« ganz ungetrübt zur Geltung. Gänsehaut.

Was »KAT« nicht sehen kann: Immer wieder bleiben draußen Leute an den Fenstern kleben, drücken – neugierig geworden – ihre Nasen gegen die Scheibe. Was geht denn da? In regelmäßigen Abständen rattert auch die Straßenbahn direkt vor dem b-flat vorbei. Das ist Berlin – man kann es, blickt man auf die Bühne, keinen Moment lang vergessen.Um mich herum beobachte ich sie, die Hauptstädter, die an ihren Getränken nippen. Wie reagieren sie? »KAT« ist nicht unbedingt das Standard-b-flat-Programm. Können sie damit umgehen?

Sie sind aufmerksam. Sie klatschen laut und sparen nicht mit Pfiffen und Zurufen. »KAT«, vorne auf der Bühne, offenbart eine Reihe guter Lieder. Einmal mehr ist es für mich bewundernswert, wie viel diese Frau preisgibt. Mit der Präzision eines Seziermessers hat sie Gefühle, Situationen, Beziehungen erkannt – um sie dann in Worten feiner Poesie festzuhalten. Treffsicher wiederzuerkennen für jeden, der schon einmal ähnliches gefühlt hat.

Merken es die Leute um mich herum, die sie sicherlich meistens zum ersten Mal hören? Auch diejenigen, die kein Deutsch verstehen, finden sich darin wieder – und davon sind einige da, befindet sich das b-flat doch offensichtlich in einigen TOP-10-BERLIN-Reiseführern. Das sprachlose Verständnis verwundert nicht: In der Stimme und auf der Bühne ist nichts gekünstelt, nichts bemüht-entertainig, sondern einfach echt. Und das ist einfach echt gut.

Einmal scheint sie es selbst zu merken. Gerade hatte sie sich mit verschlossenen Augen in einem Song verloren, singt den letzten Ton und blickt wieder auf – da passiert es: Wie ein kleines Kind in dem Bewusstsein, dass es gerade etwas richtig gut gemacht hat und dem es gleichzeitig ein wenig unangenehm ist, zieht sie die Schultern hoch, dreht sich seitlich und lächelt beschämt, als der Applaus folgt. Ein sympathischer Moment.

Ehrlichkeit und Authentizität sind es am Ende, die »KAT«s Auftritt an diesem Abend ausmachen und herausstechen lassen. Die Musikerin nach ihr legt einen sehr ordentlichen Jazz-Trip hin, da passt einiges. Aber es ist Entertainment. Diese Show ist es, die KAT nicht nötig hat – im Kontrast wird das noch deutlicher.

Ich frage mich, ob es nicht schlauer gewesen wäre, »KAT« eher zum Ende des Abends auftreten zu lassen – damit die Stimmung ihrer Musik nicht so gebrochen wird. Im Gespräch vertraut mir »KAT« in einer Pause an, dass sie ganz zufrieden mit der Position der Ersten gewesen ist. »Ich mag das eigentlich ganz gerne«, sagt sie, »dann sind die Leute irgendwie noch unverbrauchter.« – mh, berechtigte Sichtweise, wenn auch vielleicht eher Anbieter- als Verbraucherstandpunkt.

Mit »Halleluja« hatte »KAT« an diesem Abend einen Song präsentiert, der vielen Ohren aus diversen Film- und Fernsehstücken bekannt sein dürfte. Zu ihrer Stimme passt dieses Lied Leonard Cohens hervorragend und befindet sich somit zu Recht seit der Meet-Ya-Tour in »KAT«s Programm. Der bedeutsame Inhalt des Songs – obwohl aufgrund des Titels durchaus zu vermuten – war bisher immer an mir vorüber gegangen. »KAT« erläutert mir ihre Beweggründe, dieses Stück, das König David und seine musikalischen Künste, aber auch seine Fehltritte behandelt und deshalb von einigen als blasphemisch oder unrecht angesehen wird, zu singen: Es geht um die menschliche Fehlbarkeit, die auch einen König David traf. Und es geht um die Notwendigkeit, dennoch weiterhin das Halleluja zu singen.

Einen Moment noch plaudern wir über Berlin, »KAT«s Auftritt beim Christival und die Dinge, die da kommen. Ohne zu früh zu viel verraten zu wollen, kann ich sagen: da kommt einiges... Noch auf der Bühne hatte sie zugegeben: »Ich krieg` den Hals nicht voll und ich glaube, es ist gut so.« Amen dazu.

Resümierend ein gelungener Abend. Gut, dass »KAT«s Wege nach Berlin geführt haben. Gut, dass sie sich unter andere Künstler gemischt hat, fern dessen, was im Volksmunde »christliche Szene« genannt wird. Sie kann es mit ihnen aufnehmen, hat sich auch live als »hauptstadttauglich« erwiesen. Bleibt zu hoffen, dass sich viele andere an ihr ein Beispiel nehmen, eine Scheibe abschneiden, ihr künstlerisches Kämmerlein verlassen, in die Welt gehen und das tun, was sie am besten können: gute Musik machen!



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»Die im STATEMENT geäußerten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.«

 


KAT
Seit wann gibt es eure Band?
2004
Woher kommt die Band?
Frankfurt am Main / Deutschland
Beschreibt kurz euren Musikstil?
War das Debutalbum "Polaroid of Truth" (Frühjahr 2005) noch englischer Pop/Rock à la Evanescense, ist die neue EP "Turning Point" (Sommer 2007) ein tatsächlicher Wendepunku für KAT: Im September 2007 ist ihr neues Album "Sehnsucht" erscheinen - deutschsprachiger Lyrik-Pop, der sich in ausgefuchsten Sounds und wunderbaren Atmosphären präsentiert. In KAT.s eingängigen Songs ist es ihre klare, unverwechselbare Stimme, die einen sicher und gekonnt durch alle Genres führt. KAT.s Adventsalbum "Wie soll ich Dich empfangen" (Herbst 2006) kommt ganz ohne Verstärker aus. Hier singt KAT. ganz klassische und auch eigene Weihnachtslieder, begleitet nur von Flügel und Geige.

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