|  Blog |  Newsletter |  Hilfe |  Team |  Kontakt |  Eventtipps |  Mediadaten |  Spenden! |
Beta

Ron Kubsch: Die Postmoderne

Abschied von der Eindeutigkeit


Von Stephan Achtermann 30.06.2008


Das Evangelium in der gegenwärtigen Zeit und Kultur verkündigen - das ist die Herausforderung des Christentums zu allen Zeiten. Doch dazu ist es nötig, Zeit und Kultur zu verstehen.

Ron Kubsch legt auf nur 78 Seiten eine Gegenwartsanalyse der Postmoderne vor, erschienen in der Reihe „Kurz und bündig“. Selbstredend, dass dies keine erschöpfende Darstellung sein kann. Die gedrängte und hohe Informationsdichte fordern vom Leser ein nicht geringes Maß an Konzentration und Interesse ab, so dass dieses Buch dem Selbstanspruch, in nur zwei Stunden umfassend zu informieren, kaum gerecht wird.
Nichts desto trotz gelingt es dem Autor die geistesgeschichtliche Entwicklung von der Moderne bis in die Gegenwart nachzuzeichnen, und so dem Leser verständlich zu machen, warum sich unsere Kultur so entwickeln musste. Plastisch wird dies an geschickt ausgewählten Beispielen aus Literatur, Film und Kunst verdeutlicht. Lediglich Querverweise zu den Möglichkeiten des Web 2.0 bleiben zu vermissen.

Der Aufbau ist straff gegliedert mit übersichtlichen Sinneinheiten und knackigen Überschriften. Graphisch unterstützt wird dies durch gezielt eingesetzte Diagramme und Bilder sowie hervorgehobene Zitate. Somit unterstützt die äußerliche Aufmachung die Lesefreundlichkeit.

Zum Aufbau: im ersten und längsten Kapitel wird die Postmoderne dargestellt. Im zweiten Hauptkapitel folgt eine kritische Würdigung. Im letzten Teil wird weiterführende Literatur vorgestellt. Diese Grobstruktur wird vom Autor beinahe konsequent durchgehalten. Nur an wenigen Stellen schimmert die kritische Position des Autors, so z.B. im Abschnitt „Sexualität und Geschlechtlichkeit“ durch die Auswahl von kritischen Zitaten durch.
Dies tut dem Duktus jedoch keinen Abbruch, zumal der Autor mit dem Mythos der Neutralität aufräumt und die Pseudoobjektivität des postmodernen Denkens entlarvt.

In der kritischen Würdigung werden zunächst die Grenzen der Postmoderne im Allgemeinen aufgezeigt, dann aber speziell auf die Situation des Christentums angewendet. Ob dabei die Emerging Church-Bewegung, die auf lediglich dreieinhalb Seiten kritisch referiert wird, treffend dargestellt ist, bleibt zu bezweifeln.

Insgesamt bietet dieses Buch einen guten und knappen Einstieg in das Denken der postmodernen Gesellschaft und legt dabei den Finger genau auf jene wunde Punkte, die für die Evangeliumsverkündigung heute von Relevanz sind. Dabei wird dem Leser oft ein Spiegel vorgehalten, in dem er sich selbst in seiner Verwurzelung in der Postmoderne wiederentdeckt. Nicht selten musste ich dem Autor zustimmen: „Ja, so ist es auch. Und das ist gut.“ Wir sind Kinder unserer Zeit.

Jedem, der sich vor den Herausforderungen der Verkündigung gestellt sieht und dazu seine Hörer oder zumindest sich selbst in seiner kulturellen Verwurzelung besser verstehen möchte, sei diese preiswerte Lektüre sehr empfohlen.

Verlag: Hänssler, Holzgerlingen, 78 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, broschiert, 1. Auflage (Juli 2007)
ISBN: 978-3775146081
Preis: 6,95 Euro

Gesamtwertung: 80%

drucken |  | leserbrief

Anzeige

Impressum | © 1999 - 2008 by SOUND7.ORG