»Gott, wo warst Du?«
Ein Bericht aus geistlich-theologischer Sicht zum Amoklauf in Winnenden
Von Stefan Uhlig 18.03.2009
Nach so einem schrecklichen Ereignis wie letzten Mittwoch in Winnenden, gibt es immer viele schlaue Menschen, die die Gründe dafür wissen. Jeder zimmert sich seine Argumente zurecht, belegt sie mit unsicherer Medieninformation oder mit seinem Weltbild. Leider trifft das auch für manche Christen zu, die sofort mit schwer verdaubaren Schlagworten wie »Sünde«, »Teufel«, »zu wenig gebetet« antworten, ohne zu sehen, wie verletzend so etwas sein kann. Oder auch einfach falsch.
Warum dann dieser Beitrag hier? Ich will keine absoluten Antworten geben. Weil ich es nicht kann. Weil es sie wahrscheinlich auch nicht gibt. Aber über ein paar Dinge gilt es nachzudenken in diesen Tagen, denn die Fragen nach Gott sind nun überall. Sichtbar zu lesen auf Plakaten oder unsichtbar in den Köpfen der Menschen.
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1. Gott war da und er ist es immer noch!
»Gott, wo warst Du?«, ist auf einigen Plakaten an der Albertville-Realschule zu lesen. Gott war da und er ist immer noch da. Warum hat er dann diese Tat zugelassen? Das wissen wir nicht. Und es gibt wohl keine Antwort, die diese Frage ausreichend und zufriedenstellend beantwortet. Tatsache ist, dass Gott uns versprochen hat, immer bei uns zu sein (Matthäus 28,20; Psalm 139). Also war er auch letzten Mittwoch in Winnenden an der Albertville-Realschule. Was ist sein Plan mit diesen Ereignissen? Wir wissen es nicht.
Aber können wir es überhaupt wissen? Wie will ein Mensch die Pläne und Wege Gottes erkennen können? Können wir diesen großen, unvergleichlichen Gott, der die Welt und alles, was lebt, geschaffen hat, in ein menschliches Denkmuster zwingen und ihn verstehen wollen? »Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.« (Jesaja 55,8f.)
2. Gott kann mit uns mitfühlen!
»Doch er, Jesus, gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, auch wenn er nie gesündigt hat.« (Hebräer 4,15)
Gott ist auf der einen Seite ein unfassbar großer Gott, zu hoch für unseren Verstand, und trotzdem sagt er zu uns: »Ich verstehe dich. Ich weiß, wie du dich fühlst.« Warum? Gott hat den Menschen erschaffen. Wer, wenn nicht der Schöpfer selbst, weiß wohl, wie sein Geschöpf funktioniert? Zweitens ist Gott selber Mensch in Jesus geworden und hat das Erdenleben mit allen Höhen und Tiefen erlebt.
Jesus ist selst ermordet, sogar hingerichtet worden. Er weiß, wie es ist, zu sterben. Und Gott hat viele seiner Kinder sterben sehen müssen. Wer, wenn nicht dieser Gott, kann mit uns fühlen und uns verstehen und trösten? Wer, wenn nicht er, kann uns Hoffnung, aber auch Antworten auf unsere Fragen geben?
3. Wir leben in einer gefallenen Welt
Der Amoklauf hat mir erneut vor Augen gestellt, dass wir in einer Welt leben, in der der Teufel, das Böse, am Werk ist (Epheser 2,2+6,12). Das sind keine beliebten Worte und wir haben es vielleicht auch verdrängt, aber der Mensch an sich ist ein sündiges Wesen (Römer 3,23) und steht unter der Herrschaft des Bösen (Johannes 8,44; 2.Timotheus 2,26). Nur Jesus kann uns davon frei machen, denn Gott steht immer noch über dem Teufel.
Wer die Existenz des Bösen leugnet, tut sich natürlich schwer, zu verstehen, wie denn ein Amoklauf stattfinden kann, wenn doch der »liebe Gott« da ist. Aber hier machen wir es uns zu einfach und klären die Menschen nicht genug auf. Natürlich ist auch das keine ausreichende Antwort auf die Frage »Warum?«. Wir können nicht pauschal sagen, dass der Amoklauf ein Werk des Teufels war. Aber es ist wichtig, sich klarzumachen, dass eine böse Macht in dieser Welt herrscht. Gleichzeitig sollten wir aber wissen, dass Jesus genau diese Macht besiegt hat und wir, durch Jesus, auch siegreich sein können.
4. Nächstenliebe!
Bundespräsident Horst Köhler hat etwas sehr Gutes gesagt: »Diese Tat mahnt uns auch, darüber nachzudenken, ob wir unseren Mitmenschen immer die notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringen.« Das ist der Punkt. Alle Gesetze, Verbote und psychologische Hilfen, die viele jetzt fordern, können nur die Gefahr einschränken, wenn sie mal da ist. Aber wenn wir anfangen, den Nächsten zu lieben wie uns selbst, packen wir das Problem bei der Wurzel an.
Ich glaube, dass praktizierte Nächstenliebe die Lösung für alle Probleme ist. Wenn Menschen aufhören, auf sich zu schauen und den eigenen Vorteil zu suchen und anfangen, den Nächsten (Lukas 10,25ff.) in den Fokus zu setzen, dann wird das eine tiefgreifende Veränderung schaffen. Und wir Christen sollten hierbei eine Vorreiterrolle spielen: »Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen (...) Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?« (Matthäus 5,44+46).
Jesu Gebote und auch sein Leben gehen weiter als das bloße »wir sollten uns umeinander kümmern« – Gerede. Er lebte Liebe und Hingabe für den Nächsten und fordert uns auf, es ihm gleich zu tun: »Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.« (Johannes 15,12f.)
Links ins Web
http://www.kondolenzbuch-online.de/cgi-bin/2009/books/000172.pl
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