Tun oder sein?
Eine Songandacht von David Decker
Von David Decker 09.02.2009
Vom Sein
Vor lauter tun,
haben wir verlernt zu sein.
Verlernt zu ruhn.
Verlieren den Sinn, wahren den Schein.
Refrain:
Seid heilig,
denn Er ist heilig
und versucht nicht heilig zu tun.
Vor lauter Wald
sehen wir die Bäume nicht.
Das Leid der Welt
Macht uns für die Nächsten blind.
Und jeder gute Vorsatz bleibt vergeblich,
wenn er das neue Jahr nicht überlebt.
Und jeder gute Vorschlag bleibt vergeblich,
wenn er nicht in die Praxis übergeht.
Text & Musik: Samuel Harfst
© 2007 Samuel Harfst
[heilig (von griech. hieros) Gegenteil von profan, gewöhnlich, geistlos]
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Geschäftiges Treiben. Unser Alltag ist ausgefüllt mit soviel Sachen. Wir tun und tun und tun, immerzu und immerfort. Oder wir werden aufgefordert: »Tu dies, tu jenes!«. Fast schon rastlos; Ruhezeiten sind selten. Da gibt es Momente, wo man nicht mehr weiß, was oben und unten ist, wenn man dann durch Krankheit oder andere Umstände zur Ruhe gezwungen ist. Gezwungen zum Nachdenken, zur Ruhe, zum einfach da sein. Ganz einfach so. – Und da ist es: dieses Sein.
Tun, heißt bei uns oft, den Schein zu wahren. Ganz so, wie es der Musiker Samuel Harfst singt. Für manche liegt im Arbeiten und »tun« der Sinn, doch schnell kann sich ins Tun auch eine gewisse Sinnlosigkeit einschleichen. Tun, um zu machen; tun, um etwas am Laufen zu halten. Nur was?
Ja, es geht um dieses Sein. – Und nun komm ich mit dem frommen Hammer und sage, wir sollen nichts mehr tun, sondern sein, oder was? Das wäre dann doch zu einfach! Ein Glaube, der nichts tut, der nicht handelt und zur Sache kommt, ist tot. Ein Glaube, der nur im Kopf ist, verliert genauso den Sinn und wahrt den Schein. Unstrittig.
Was also ist gemeint? Es geht um das Sein. Dabei geht es um einen Zustand in Bezug zur Zeit. Etwas einfach aushalten, bleiben, vielleicht gar in etwas »wachsen«. Eben einfach so sein. Und gemeint ist hier: heilig sein. Es geht um Heiligkeit. Die Bibel kennt dazu die Aufforderung »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott!« (Schlachter 2000 Übersetzung). Das steht im 3. Buch Mose 19,1b und wird ebenso zitiert im 1. Petrusbrief 1,16. Zum selben Sachverhalt gibt es übrigens ein gutes Buch: »Der vergessene Befehl: Seid heilig!« (William MacDonald; CLV).
Es muss also doch was dran an diesem Sein! Mit »heilig sein« meint die Bibel einen Zustand, ja ein Verhalten, was Jesus immer ähnlicher wird und damit mehr und mehr dem Willen Gottes entspricht. Nun ist das natürlich ein Prozess, denn wer von uns würde behaupten, bereits so zu sein wie Jesus? Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, entdecken wir doch soviel, was nicht zu diesem Herrn passt.
Das obige Lied lädt uns ein, mit dem scheinheiligen Tun aufzuhören, als wären wir bereits superfromm, als wären wir schon perfekt. Heilig sein, heißt, das Heucheln zu lassen und sich in den Prozess der Hingabe einzuklinken, auf dem Weg mit (bzw. zu) Jesus, Ihm hinterher.
Und da sind wir am Ende doch wieder mitten in der Praxis angelangt: denn Jesus hat sich nicht abgesondert aus dem Leben und aus der »Welt«, sondern ist, ganz im Gegenteil, mittenrein gegangen. Samuel Harfst singt es genauso direkt, wie wir oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen: das Leid über-sehen und nicht handeln, wie es Jesus gemacht hätte; also Anteil nehmen, Barmherzigkeit üben. Unseren Nächsten sehen, ihn lieben, da beginnt heilig sein im Sinne Jesu. Das ist heiliges Handeln, wie Jesus es sich wünscht – und Er schenkt sogar die Kraft dazu.
Wir können uns das so oft vornehmen wie wir wollen: »Ich will jetzt heilig sein!«. Es wird sinnlos bleiben. Denn durch Christus sind wir es ja bereits – nämlich: heilig, weil Er uns dazu macht. Unser Job ist es nun, in diesem Zustand zu bleiben, zu verharren, und wenn möglich, weiter zu wachsen. Das ist jedoch keine Totenruhe, sondern lebendige Beziehung zum Herrn des Lebens – im Alltag.
Also nochmal: scheinheiliges Tun ist ein Leisten, das uns nie erlöst und andere auch nicht. Das Erkennen des heilig sein in Christus führt nicht zur Tatenlosigkeit, sondern richtet unser Handeln und Verhalten mehr und mehr an Gottes Heiligkeit aus.
In diesem Sinne: lasst uns heilig sein!
Links ins Web
http://samuelharfst.de/
http://clv.de/
http://ekkaleo.de/
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