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Plattengericht


Chiang Mai, Thailand, 30° und sehr feucht ist es draußen, eine ganze Ecke kälter hier drin. Nein, kein Urlaub, sondern Worship bei einer Konferenz mit dem internationalen Team von Worshiplanet. Und während ich meine Pause im klimatisierten Hotelzimmer genieße, schreibe ich diese Zeilen, um das neue Plattengericht einzuleiten.



Sommer ist es also, zumindest hier, inklusive Dschungelabenteuer und Elefantenritt. Und Musik spielt da natürlich eine große Rolle, weltweit. Daher stammen die vier Alben, die unsere geschätzte Jury dieses Mal begutachtet, auch aus der Ferne, aus Übersee und anderswo.

Da ist zum einen das brit-australo-amerikanische Megaprojekt »CompassionArt«, das ob seiner Idee großen Respekt verdient und mich zumindest sehr bewegt (auch empfehlenswert: Das Buch zur Story). Dass natürlich sehr kommerzielle Musik dabei herauskommt, wenn es ums Geld geht, ist logisch und hat mich nur im ersten Moment gestört. Von daher ein klares »Kaufen!« von meiner Seite.

Die Newsboys waren ja auch einmal eine australische Band und haben seit ihrer Übersiedlung nach Nashville, Tennessee 1987 (!) die christliche Szene mit ihrem Dance Rock ganz erheblich mitgestaltet. Und doch ist dieses Album ein besonderes, markiert es nämlich die letzte Etappe der öffentlichen Wirkung des Peter Furler, ehemals Drummer und in den letzten Jahren als Frontmann prägendes Gesicht der Band. Dass Michael Tait ihn ersetzen wird, ist eine große Überraschung, aber auch eine ebensolche Chance. Das Timbre stimmt, die Stimme und Ausdruckskraft ist aber m. E. noch stärker.

Stimme ist das richtige Stichwort bei US-Singer-Songwriter Mat Kearney. Denn die erinnert ebenso wie das Songwriting an Coldplay-Sänger Chris Martin (siehe den jüngst erschienenen Blindflug). Das erste Album war noch deutlich rougher, das zweite habe ich leider verpasst – und das dritte? Könnte kommerziell durchstarten, denke ich. Hat auf jeden Fall was zu sagen, der Mann.

Und damit wären wir beim vierten dieser Runde. Jeff Caylor kennt wohl keiner der geschätzten Leserschaft, lediglich im besagten Blindflug war ein erster Schimmer wahrnehmbar. Jeff ist Amerikaner , Sänger, Keyboarder, und ich habe ihn einst auf einer ebensolchen Worshiplanet-Tour wie dieser jetzt kennengelernt. Sein erstes Album hat mich und – als Independent-Release – auch die amerikanische Presse sehr begeistert. Jetzt legt er – mittlerweile als Worshipleiter in der Internationalen Gemeinde von Hongkong tätig – Platte Nr. 2 vor, die mehr als hörenswert ist. Würde mich jedenfalls freuen, wenn sie hierzulande etwas Aufmerksamkeit bekäme.

Es wird sich im folgenden zeigen, wie unsere Jury die Auswahl zu kommentieren weiß. Und Kommentare der Leser, z. B. im Forum, sind ausgesprochen willkommen. Weltweit.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Urlaubshochsaison kommt diesmal eine kleinere Jury zu Wort. Beim nächsten Plattengericht wird die Runde wieder in voller Stärke antreten.

  City Of Black & White von Mat Kearney
City Of Black & White
Mat Kearney
Sony
CompassionArt von CompassionArt
CompassionArt
CompassionArt
Fierce
In The Hands Of God von Newsboys
In The Hands Of God
Newsboys
Inpop
What Birds Dream von Jeff Caylor
What Birds Dream
Jeff Caylor
-
Feedback an David Brunner
David Brunner
Redaktionsleitung MESSAGE

Gut hörbar, aber ziemlich belanglos." Treffender könnte es unsere Bewertungsskala nicht beschreiben. Zwei mal habe ich das Album durchgehört. Und beides Mal habe ich gedacht: "Ja, das ist schon nett. Schön gemacht. Ja. Tut aber auch nicht weh und bleibt auch nicht hängen." Schade eigentlich. Hätte mir weit mehr erhofft.
50%

Alleine die Motivation hinter dem Album verdient schon Respekt. Insofern sind auch die Texte des Albums ermutigend wie herausfordernd zugleich. Musikalisch klingt's für mich wie ein Sampler mit gut gemischten und sauber produzierten Songs: Pop, Rock und mal 'ne Prise Rap. Nicht mehr, nicht weniger. Das gewisse Etwas fehlt mir schon. Das "Who is who" der CCM eben - handwerklich mehr als gut, aber was die Inspiration betrifft nicht der ganz große Knaller.
60%

iTunes starten. Newsboys eingeben. "In the hands of God" anhören. Muss ja sein. Das Plattengericht wartet. Wirkliche Lust hatte ich grade eher auf andere Musik. Aber jetzt läuft das Album schon zum vierten Mal in Folge und begleitet mich beim Möbelaufbau. Warum? Weil es einfach geil ist. Die Newsboys rocken nach wie vor, sie haben ihren unverkennbaren und ganz eigenen Sound und die Texte sprechen mich an. Muss ich mehr sagen? Nein - außer: reinhören und kaufen!
73%

Der Mann hat hohe Ziele. "I want to make art that inspires people to live beyond themselves." So sagt er's auf seiner Homepage. Und er ist mit "What Birds Dream" auf dem richtigen Weg - aber noch nicht angekommen. Texte, aus dem Leben für das Leben, über das Leben hinaus. Musik, die inspiriert, die träumen und nachdenken lässt, aber auch aufhorchen lässt. Manches ist mir auf Dauer dann aber doch zu phlegmatisch und zäh. Aber gut. Daran kann der junge Mann ja noch arbeiten. Potential ist jede Menge vorhanden.
65%

Feedback an Daniel Monninger
Daniel Monninger
Soundcheck Editor

Klingt in den besseren Momenten wie eine »Coldplay«-Kopie (eine der schwächeren allerdings), in den schlechteren wie ein weiterer typischer Vertreter der amerikanischen Hände-hoch-Bombast-Pop-Fraktion (einer der besseren allerdings). Gute Stimme, klar, aber für meinen Geschmack zu dicht und glatt gemischt und mit viel zu wenig Risiko arrangiert.
56%

Gutes Anliegen, hohe Stardichte, ich weiß. Macht das Ergebnis aber nur umso erschreckender. Selbst gute Songs (z. B. »Fill my cup«) werden im Kitsch ertränkt. Handwerklich brennt hier natürlich nichts an, der Funke springt aber auch nur selten über. Dabei wird nicht gerade auf Sparflamme gekocht, im Gegenteil: Möglichst breitwandig soll alles daherkommen. Wo eine Tränendrüse wartet, soll sie auch gedrückt werden. Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Chörchen her.
51%

Ein ziemliches Brett. Aber was bringt das, wenn der Wurm drin ist? Dröge Wortspiele beiseite: Die »Newsboys« klingen anno 2009 als wären die 90er noch lebendig. Wer will das heute noch hören? Ich jedenfalls nicht, wenngleich ich gestehe, dass ich auf »Dance« vermutlich tanzen würde. Das wiederum will vermutlich keiner sehen.
45%

Großes Talent, der Herr Caylor. Auf Album Nummer zwo passt schon ziemlich viel ziemlich gut zusammen. Die Songs sind kreativ und mit viel Liebe zum Detail arrangiert, durchweht von einem Hauch Melancholie und finden mit feinen Melodien nicht selten den Schlüssel zu meinem Herzen. Manchmal würde man noch mehr Mut zum Leisetreten wünschen, da ist die Platte nämlich am besten. Trotzdem: Vielleicht haben wir hier einen neuen Paul Colman entdeckt. Aber da Caylor auch ohne Vergleiche gut ist, gibt es
77%

Feedback an Steffen Richter
Steffen Richter
Chefredaktion

Beste Platte in unserem süßen Contest, weil möglicherweise hier auch das größte Künstlertalent werkelt. „Nothing left to lose“ war Kearneys Durchbruch, „City of Black & White“ bestätigt die guten Eindrücke. Ausgefeilte Songstrukturen, sauber in den Vordergrund produzierte und vor allem gemischte Stärken, bemerkenswerte Stimme und diese vielen lyrischen Kleinode. Der Mann hat eine feine musikalische Sozialisation genossen und gehört auch in Zukunft beachtet. Qualitativ in der gleichen Slow-Pop-Liga wie Joshua Radin, Jesse Malin oder Pete Yorn.
71%

Die Idee, Musik mit einer guten Sache zu verknüpfen, hat einen langen Bart und funzt scheinbar immer. Nun gut, Stevie Wonder kann sich bestimmt noch erinnern. Wahrscheinlich muss man auch möglichst massenkompatible Musiker samt Songs an den Start bringen, um möglichst hohe Stückzahlen verticken zu können. Gut für die involvierten Labels, gut natürlich auch für die gute Sache; alles gut? Nö, schlecht nämlich für Ohren, die sich partout nicht an Radiopopeinheitsgedudel gewöhnen wollen. Ausnahmen mit Abstrichen: „Fill my cup“ von delirous?-Mastermind Martin Smith und ein wie immer gut aufgelegter Kirk Franklin mit Duett mit tobyMac bei „Until the day“. Am Ende beruhigt mich der Gedanke an die Einnahmen.
39%

Druck hat das Teil, ohne Frage. Sauber produziert ist es auch, wer hätte das gedacht. Mir fehlt für einen größeren Wurf die durchgängige Spannung, der rote Faden und auch die Härte früherer Newsboys-Alben. Hat man ja schon mal gehört den Vorwurf, die Band sei ins Popper-Lager gewechselt. Die Livetracks ihrer myspace-Präsentation jedenfalls suggerieren auch das Gegenteil, teilweise zumindest. Der stärkste Arbeitsnachweis „The way we roll“ spricht auch für die Rocknroll-Stärke der Jungs. Ganz ordentlich, ihr Potenzial lässt Steigerungen zu.
59%

Der gute Jeff war mir bis dato definitiv nicht bekannt. Könnte daran liegen, dass er bis vor kurzem keinen Plattenvertrag hatte. Die „träumenden Vögel“ bieten solide Popmusik mit stilistischen Anleihen im Singer/Songwriter-Folk. Was sofort auffällt und mir persönlich extrem gut gefällt, ist Caylors Stimme, deren durchaus soulige Klangfarbe an Marc Cohn oder John Mayer erinnert. Überdurchschnittlich präsentiert sich auch seine lyrische Arbeit: Der Mann kann ähnlich gut mit Worten umgehen wie die großartigen Jakob Dylan (Wallflowers) und Adam Duritz (Counting Crows). Weitgehend gelungene Platte.
64%

Feedback an Steven Mahner
Steven Mahner
Autor

Ups, hat Chris Martin ein neues Soloprojekt? Nein, nach den ersten Takten beweißt Mat schnell, dass er einen eigenen Sound fährt. Sein drittes Album ist voll mit schönen und lieblichen Melodien. Ein Musterbeispiel des Songwriter-Genres, nix für die Party aber ganz viel für die Gefühlskiste. Ich habe nach dem durchhören ein Lächeln ins Gesicht gemeißelt muss aber immer noch an Coldplay denken. ... großes Kopfkino und ein neuer Blockbuster in der Herzenssparte!
71%

Große Platte für eine große Sache… unzählige Künstler haben einen klasse Sampler auf die Beine gestellt, um sich für ein Charity-Projekt einzusetzen. Ein bunt gemischter Cocktail der bei jedem Hörer den richtigen Geschmacksnerv treffen wird. Wie immer bei einer Wundertüte gibt es Höhen und Tiefen aber hier geht es um mehr als Geschmack – HILFE für diejenigen die es nötig haben! 100% für die gute Idee und den EInsatz ist sicher! Für den Inhalt der Scheibe:
61%

Nach knapp 25 Jahren Bandgeschichte kommt hier das neue Werk der einst australischen Band. Ein Vierteljahrhundert und noch kein bisschen altbacken. Mir persönlich ist die Scheibe (wie alle anderen auch) zu glatt und clean. Dennoch, Grund solide und ein Beweis, dass die Newsboys mit der Zeit gehen und Rock aus diesem Jahrtausend machen können. ... Für Fans ein Muss, für alle anderen ne feine Sache!
66%

Sympathisch unaufregend und dezenter Pop der mal weiche und mal härtere Töne aus dem Speaker presst. Jeff macht nette Musik, mit netten Texten und scheint ein wirklich netter Typ zu sein… nett ist ja nicht immer gut aber in diesem Fall eine runde Sache, wenn man es unauffällig mag. ... transportiert mehr Gefühle als nur „nett“ aber ich muss mich gelegentlich zwingen wieder genau hin zu hören.
51%


Ergebnis

62% 52,8% 60,8% 64,3%

Von Manuel Steinhoff 21.08.2009

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