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»Das Album zur Kette«

Clemens Bittlinger bietet Perlen feil


Von Rainer Buck 28.09.2007


Musikalische Perlen fallen einem sicher einige ein, wenn man die mehr als zwei Jahrzehnte währende Karriere des Liedermachers und »Rockpfarrers« Clemens Bittlinger Revue passieren läßt. Bei seinem neuesten Projekt geht’s nun handfest um Perlen des Glaubens.

Mit seinem Album »Perlen des Glaubens« möchte Clemens Bittlinger seine Zuhörer auf eine frohmachende Pilgerreise mitnehmen. Dabei hat sich der Liedermacher von einer Perlenkette aus der lutherischen Kirche Schwedens inspirieren lassen, die über verschiedene Kanäle auch bei uns Verbreitung findet.

Kurz nachdem Martin Lönnebo als schwedischer Bischof in den Ruhestand getreten war, reiste er nach Griechenland, wo er nicht nur Erholung suchte, sondern auch ein Lehrbuch über den christlichen Glauben schreiben wollte. Ein früher heftiger Herbststurm überraschte ihn auf einem Fischerboot und nötigte ihn zu einem Aufenthalt auf einer kleinen Insel.

Dort fielen ihm die griechischen Fischer mit ihren Perlenketten auf. Dies brachte ihn auf eine Idee: Er zeichnete einen »Rettungsring« aus Perlen auf das Papier und gab jeder Perle eine besondere Bedeutung. Zurück in Schweden stellte er ein Perlenband her, das ihm -vergleichbar einem katholischer Rosenkranz- als Hilfe zum Beten diente. Darüber kam er mit vielen Menschen ins Gespräch und so breitete sich das Perlenband in Schweden, später in Skandinavien aus.

Jede der 18 Perlen hat einen Namen und eine eigene Bedeutung. Von der goldenen Gottesperle über die »Ich« - und die »Tauf« - Perle, die Perlen der »Liebe« und der »Dunkelheit« bis hin zur »Perle der Auferstehung« wollen die »Perlen des Glaubens« auf eine tiefe und umfassende Weise in die Stille vor Gott führen. Hier soll der Glaube im wahrsten Sinne des Wortes »begreifbar« werden.

Die nordelbische Pastorin Kirstin Faupel-Drevs entdeckte das Perlenband während eines Finnland-Urlaubs bei einer Freundin und importierte die Idee nach Deutschland. In Kooperation mit dem Amt für Öffentlichkeitsdienst ihrer Kirche entwickelte Pastorin Faupel-Drevs eine Art Gebrauchsanweisung für das Perlenband, das nun unter dem Namen »Perlen des Glaubens« angeboten wird.

Inzwischen gibt es Kurse, in denen anhand der Perlen Glaubens- und Lebensthemen zur Sprache kommen oder das Perlenband als Gebetshilfe eingeführt wird. Dabei läßt der Umgang mit dem Band, das man sich natürlich auch selbst basteln kann, individuelle Gestaltungsfreiheit zu.

Diese Freiheit ist von Initiator Lönnebo gewollt, der bei einer Begegnung sagte: »Jetzt habe ich euch so viel von den Perlen erzählt. Das könnt ihr getrost vergessen. Sucht lieber euren eigenen Weg damit.« Resultat eines solchen Prozesses ist das Buch »Mit den Perlen des Glaubens leben«, das von der nordelbischen Kirche (Amt für Öffentlichkeitsdienst) herausgegeben wurde. Dazu gibt es auch Glasperlenbänder aus fairer Produktion.

Clemens Bittlinger hat nun quasi das Album zur Kette produziert. 13 Songs und verbindende Texte erzählen eigentlich alles, was man über die Kette wissen muss oder als Anleitung für den Gebrauch benötigt. Der Versuch die Sprechtexte poetisch zu gestalten und die Kette in Form einer Engelsgeschichte vorzustellen, ist vielleicht nicht ganz zum großen Wurf geraten, aber die Musikstücke sind teilweise klingende Kostbarkeiten, Perlen eben, an denen man sich immer wieder erfreuen kann.

An den ausgefeilten Arrangements hat David Plüss mitgearbeitet, der für opulenten, aber kitschfreien Wohlklang steht. Plüss steuerte auch einige fast schon klassisch schöne Melodien bei.

Ein paar musikalische und textliche Untiefen hab ich auf der Platte zwar auch ausgemacht: manchmal erscheint mir Bittlinger etwas platt und schlagerhaft oder stört mich sein etwas hölzerner Gesangstil - wie schon in früheren Jahren liegt der feingeistige Poet in Bittlinger manchmal im Clinch mit dem Produzenten von Kirchentags- und Jugendchorschlagern.

Alles in allem handelt es sich hier um ein ansprechendes Projekt und eine gute Möglichkeit, einen neuen spirituellen Weg auszuprobieren.

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