Mehr Sein als Schein?
Von der Herausforderung, als Christ Kreativer zu sein - 1. Teil
Von Peter Soltau 10.04.2007
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Bürolofts in alten Fabrikhallen. Ein Porsche auf dem Parkplatz. Champagner zum Frühstück. Kreative, zahnpastalächelnde Menschen unter 30. Arbeiten rund um die Uhr. Die Sonnenseite des Lebens. Menschen, die als Grafiker oder Texter in Werbeagenturen arbeiten, scheinen sich der diffusen Aura einer Halbgottheit nicht entziehen zu können.
Warum? Und was steckt hinter der schillernden Fassade der Kreativfabriken? In einer Serie stellt SOUND7.DE Christen vor, die als Kreative arbeiten und fragt nach, ob der Glaube in dieser Branche zur besonderen Herausforderung wird.
Eva Jung, Jahrgang '68, ist Texterin. Warum sie es toll findet, nicht in ihrem ursprünglich gelernten Beruf zu arbeiten, warum nur in den 80ern Sekt zum Frühstück geschlürft wurde, für welche Produkte sie niemals Werbung gestalten würde und warum Christen keine Angst haben sollten, sich schmutzig zu machen verrät sie Peter Soltau im SOUND7.DE-Interview.
Wer/Was bist du? Was machst du? Wie bist du dazu gekommen?
Ich bin Freelance Creative Director.
Habe über 10 Jahre als Texterin in renommierten Werbeagenturen gearbeitet. Nachdem ich ursprünglich Kommunikationsdesign studiert und mich damals als Grafiker beworben hatte, wurde ich kurzerhand als Texterin eingestellt und fand das dann auch ziemlich prima. Ich konnte viel mehr Konzeption machen, als ich das als »kleiner Grafiker« hätte machen können. Und ich durfte auch Filme schreiben (das machen die Grafiker in der Regel auch nicht) - ich liebe Film :-)
Als Insiderin: Wie ist deine Sicht der Dinge hinsichtlich der Werbewelt? Was ist mehr Schein als Sein, was ist tatsächlich anders als in der »normalen« Welt? Braucht man einen gewissen Lifestyle, um am Puls der Zeit bzw. der Kunden zu bleiben? Deine Chance, mit falschen Vorstellungen aufzuräumen oder richtige zu erklären.
Es gibt immer Leute, die sich sich wichtiger machen, als sie sind. Aber eigentlich wird in der Werbung auch nur mit Wasser gekocht. Als ich damals bei »Springer & Jacoby« anfing, dachte ich auch, ich muss mich jetzt immer »hip« anziehen oder mindestens in Schlips und Kragen antanzen. Aber das ist Käse - Werbung ist harte Arbeit: 70 bis 90 Stunden sind pro Woche ein normales Pensum, man verdient nicht viel.
Sicher, der Puls der Zeit sollte einen interessieren und am besten hat man ein gewisses Gespür dafür, was gerade angesagt ist oder »in der Luft liegt«. Aber so sind Kreative sowieso. Sie haben eben eine Spürnase für Neues, Überraschendes, Ungesehenes.
Natürlich wird auch in einer Werbeagentur nicht zum Frühstück Sekt geschlürft. Außer man hat mal zur Abwechslung einen fetten Etat gewonnen und die Chefs geben einen aus. Aber die Zeiten, in denen Werbung mit viel Geld und Glamour verbunden war, sind seit den 80ern vorbei.
Inwieweit lässt sich der Sinn jeder Werbung, Produkte etc. im besten Licht erscheinen zu lassen, auf die Menschen übertragen, die diese Werbung herstellen, sprich: werden Äußerlichkeiten wie oben beschrieben mehr betont als in anderen Branchen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für dich als Christin?
Werbung wird gern eine gewisse Oberflächlichkeit nachgesagt. Und auf manche Werbung trifft das auch zu. Allerdings ist das in der Regel genau die Werbung, die man schlecht findet. Also die Spots, die einen in der Werbepause zum Kühlschrank treiben. Eigentlich darf Werbung überhaupt nicht oberflächlich sein, sondern muss in der Tiefe graben.
Ich verbringe immer wieder Stunden damit, den Vorteil des einen Produktes gegenüber seinem Konkurrenten ans Licht zu befördern.
Werbung wird auch nachgesagt, nur schöner Schein zu sein, nur schöne Menschen zu zeigen, eigentlich nur eine Masche zu sein.
Aber es ist doch so: Wenn ich ein gutes Licht auf etwas werfen möchte, dann kann ich das eben nicht mit Hilfe von abstoßenden »Presentern« oder in schlampigen Wohnungen tun - manchmal hat auch das seinen Platz, aber dann sehr bewusst. Die Menschen, die hinter der Werbung stehen, die kennt im Zweifelsfall keiner. Die paar wenigen, die als Vorzeigeobjekte im Rampenlicht stehen kann man nicht als Maßstab nehmen.
Das sind meistens selbstherrliche Selbstdarsteller, wie man sie in jeder Branche findet. Die meisten Leute, die in der Werbung arbeiten sind so »Normalos«, wie Du und ich. Ich bin als Christ in der Werbung genauso gefragt, wie in jedem anderen Job auch: Ich erledige meine Arbeit ganz normal und erzähle wann immer es möglich ist, was ich sonst noch so im Leben mach - z.B. an Gott glauben...
Links ins Web
www.godnews.de
www.menschjesus.de
www.gottspricht.com
www.ps145.de
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