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Keine Kompromisse

Vor 20 Jahren starb der Musiker und Missionar Keith Green


Von Christina Brudereck 24.07.2002


Keith Green war eine der schillerndsten Figuren der christlichen Musikszene. Er war ein Abenteurer des Geistes, ein Idealist in einer Welt der Kompromisse. Seine Lieder landeten in den Hitlisten - und trafen vielen ins Herz. Am 28. Juli 1982 starb Keith Green mit 28 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Seine zwei- und dreijährigen Kinder stürzten mit ihm in den Tod. Seine Musik lebt weiter.



Es war die Zeit der langen Haare und Zottel, der Kommunen und Sit-Ins, der Demonstrationen gegen den Zehntausende Kilometer entfernten Vietnamkrieg und gegen das »Establishment« hinter der eigenen Haustür. Die Generation der 68er begehrte auf. Der radikale Bruch mit dem alteingesessenen »Spießertum« sollte heraufbeschworen werden. In Europa flogen Backsteine auf Polizisten, Redaktionshäuser, gegen die Wasserwerfer.

Ähnlich revolutionär ging es natürlich auch in den Vereinigten Staaten zu. Musiker wie Pink Floyd, Steppenwolf, Janis Joplin wurden zu Legenden. 500.000 Hippies kamen zum dreitägigen Woodstock-Festival in Schlamm und Regen.

Die Hippies protestierten gegen die Gesellschaft, die ihnen spießig vorkam. Ihr Traum war kein Eigenheim am idyllischen Stadtrand. Nein, wenn schon ein Haus, dann eine Kommune mit mindestens 20 gleichgesinnten Mitbewohnern.

Einige Hippies wurden fromm. In Amerikas Kirchen formierte sich eine Bewegung, die schon allein durch ihre Kleidung traditionellen Gottesdienstbesuchern das Grauen lehrte. Sie legten die Haschpfeifen weg und
griffen zur Bibel. Sie wollten nicht mehr »Sex, Drugs and Rock´n`Roll« - aber sie wollten in Glaubensfragen radikal anders sein. Die Jesus-People waren da.

Keith Green, 1953 geboren, kommt aus dieser Generation der Revoluzzer und Hippies. Die genug hatten vom alteingesessenen Leben im Kreise der Familie. Drei Mal brach der begabte Musiker von zu Hause aus. Als Kind war er zum Fernsehstar geworden. Jetzt war er bald erwachsen und wollte mehr.

Mit 15 nahm er Drogen, seine ersten Live-Auftritte mit einer Hippie-Band und Gleichgesinnten hatte er in einer Spelunke in Los Angeles. Hier wurden selbstgebackene Plätzchen gereicht, deren Teig reichlich mit Haschisch
»verfeinert« war. Die Stadt war schon damals - neben San Francisco – die Metropole der Aussteiger. »California dreaming« - die Heimat im süßen Nebeldunst der Joints, unter der traumhaften Sonne am Strand, in den Bars,
unter Brücken, egal wo.

Nackte Füße, indianische Perlen, bunt geflochtene Stirnbänder, Räucherstäbchen, fernöstliche Musik, Gärten, in denen selbst angebaute Marihuana-Pflanzen gediehen und sprossen. Niemandem über dreißig konnte oder wollte man mehr trauen, nichts war heilig. »Habe Tabletten genommen, Koks geschnupft - das reichte nicht - also Dope geraucht, bis die Kühe krähten«, hält Keith Green damals in seinem Tagebuch fest. Er haßte die Mittelmäßigkeit. Es mußte mehr am Leben sein als das, was sie mit ihren fünf Sinnen wahrnahmen, glaubte er.

Bei aller Suche und dem Leben mit den Hippie-Idealen bemühte sich Keith, im kommerziellen Musikgeschäft Fuß zu fassen. Er war in einem musikalischem Elternhaus aufgewachsen, lernte als Kind Klavier, Gitarre und Okulele spielen, wurde 1964, als Elfjähriger und jüngstes Mitglied, in die »American Society of Composers, Authors and Publishers« aufgenommen. Doch zum richtigen Durchbruch sollte es nie kommen, auf dem Markt mischten noch andere Jungstars mit. Deren Namen verschwanden jedoch - wie eigentlich immer - mit zunehmendem Alter aus der Öffentlichkeit.



Die Enttäuschung über den ausbleibenden Erfolg, leere Versprechungen von Managern der Musikindustrie, das immer tiefere Absinken in den Rausch von Hasch, LSD, die erfolglose Suche nach wenigstens einem bleibenden Wert der Hippie-Bewegung - all das brachte Keith zur Verzweiflung.

1973 lernte Keith seine spätere Frau Melody kennen, im gleichen Jahr zogen sie zusammen in eine kleine Wohnung in Kalifornien, verlobten sich und heirateten einige Monate später. Von nun an gingen beide gemeinsam auf die spirituelle Suche. »An der Westküste ging im gleichen Jahr das Gericht von einer Jesus-Bewegung. Viele Leute ließen sich direkt im Pazifik taufen«, erinnert sich Melody Green. Das war für das junge Hippie-Paar die erste Berührung mit Menschen, die sich ganz dem Christentum verschrieben hatten.

Nachdem Keith und Melody, wie alle Sinn-Sucher auch, die Schriften Buddahs, fernöstlicher Mystiker und Mönche durchforscht hatten, war jetzt eben die Bibel dran. Doch sollte es noch zwei Jahre dauern, bis sie Christen wurden. Es war das Jahr 1975, er war 21 Jahre alt.

Jetzt ging alles Schlag auf Schlag. Der talentierte Musiker Green, der im säkularen Bereich keinen Erfolg hatte, schrieb christliche Lieder. Alle waren herausfordernd, provokant, eindeutig. Nichts spirituelles, kuscheliges, sondern klar und radikal. »Er ließ mich tief sinken, damit ich den Weg erkenne, auf dem ich die Höhen erreichen kann. Meinen Träumen zu entsagen, meiner Selbstbewunderung, und all meine Rechte aufzugeben. Mit jedem, das ich niederlegte, wird ein Juwel in meine Krone eingefügt. Denn Seine Liebe - die Dinge, die im Himmel sind - ist alles, was wir je brauchen werden.«

Keith Green wurde zur schillerndsten Figur unter den Christen in Amerika. Er trat in Universitäten auf, gab Konzerte vor Zehntausenden, predigte die radikale Umkehr. Und verschrieb sich ganz dem Christentum, das er mit seiner Musik prägte wie kein zweiter. »Du wirst genauso wenig zu einem Christen, indem du in die Kirche gehst, wie du zu keinem Hamburger wirst, wenn du zu McDonald's gehst«, lautet einer seiner berühmtesten Sätze.

Bis zum Jahr 1977 sammelten sich mehr als 70 Menschen um das junge Ehepaar, denen sie neben dem christlichen Glauben auch ein Dach über dem Kopf gegeben hatten. Obwohl völlig mittellos, finanzierten sie den Kauf von sieben Häusern, in denen die jungen Christen als Kommunen zusammenlebten. Im gleichen Jahr gründeten die Greens ihr Werk »Last Days Ministries« (Missionswerk der letzten Tage), zogen nach Texas auf eine Ranch. »Last Days Ministries« fand immer mehr Mitglieder, hunderte schlossen sich dem Werk an, zogen aufs Land, versorgten sich per eigener Landwirtschaft mit Lebensmitteln und evangelisierten in ganz Amerika. Melody verfaßte mit ihrem Mann Traktate und Schriften, die um die Welt gingen, in einer Gesamtauflage
von rund 100 Millionen Exemplaren verteilt wurden. Keith Green nahm immer mehr Musikalben auf, schrieb und veröffentlichte mehr als 70 Titel auf Tonträgern. Kaum ein junger Christ, der nicht zumindest eine Schallplatte von Keith sein Eigen nannte. Alles Geld steckte er in die Mission.

Bis zum 28. Juli 1982. Keith Green bestieg auf der Ranch in Texas mit seinen beiden Kindern Josiah und Bethany ein Kleinflugzeug, eine Cessna 414. Sie wollten mit einer anderen Familie einen kurzen Rundflug über das Gelände machen - und kehrten nie mehr zurück. Nur wenige Minuten nach dem Start stürzte die Maschine in ein Waldstück und ging in Flammen auf.

Keith Green war zuerst Hippie, dann Christ. Er kämpfte zuerst gegen das Spießertum und für die freie Liebe, dann gegen verschlafene Christengemeinden und für die Liebe Gottes. So radikal, wie er sich der Flower-Power-Zeit verschrieben hatte, so radikal wandte er sich der Bible-Power zu. »To burn out is better than to fade away« (»lieber ausbrennen, als langsam dahinzuscheiden«) - war der Leitsatz der Hippies. Der fromme Aussteiger Keith Green hatte einen anderen: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.«


Links ins Web
http://www.lastdaysministries.com
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03.06.09
»Keine faulen Kompromisse« Ein Lebensbild Keith Greens als Hörspielbuch

Am 28. Juli 1982 kam Keith Green bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Obwohl erst 28 Jahre alt, war der Komponist, Sänger und Pianist zu diesem Zeitpunkt einer der einflussreichsten christlichen Popkü...


 


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