|  Newsletter |  Hilfe |  Team |  Kontakt |  Eventtipps |  Mediadaten |  Spenden! |  Über uns 
Beta

Was sind heute Erfolge?

Gedanken zur Musikkultur


Von Rainer Buck 15.06.2010


Daniel Benjamins Album in einer Anzeige im »Rolling Stone« beworben – eine Single von Samuel Harfst bei »Saturn« im Regal entdeckt – Judy Bailey auf dem »offiziellen WM-Album«.

Man könnte meinen, für christliche Musiker brechen goldene Zeiten herein. Aber ich frage mich, ob es wirklich mehr als Achtungserfolge sind?

Ich gehöre zu der Generation Musikfreunde, für die der klassische Tonträger bis jetzt das Maß aller Dinge war, wenn es darum ging, Klasse und Erfolg eines Künstlers zu bewerten. Auch wenn mich typische Chartmusik nie sonderlich interessierte, freute ich mich doch, wenn es Qualitätsmusik mal in die Top 100 schaffte. Und für die Underdogs sah ich eine wesentliche Erfolgsstufe erklommen, wenn ihre Alben gute Rezensionen bekamen oder gar in den Läden zu finden waren.

Ein Vertrag bei einer großen Plattenfirma? Wow, damit war doch der Platz in der Popgeschichte gesichert! In der Regel bedeutete es, dass solche Künstler allen »vernünftigen Leuten«, die man kannte, ein Begriff waren.

Wenn ich über Musik schreibe und beurteile, ob es der Künstler schon zu Lorbeeren gebracht hat, wird in meinem Kopf immer noch der Maßstab von früher angelegt, blende ich aus, dass der klassische Tonträgermarkt gerade dabei ist, in der absoluten Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Die CD-Abteilungen von Mediamärkten und Kaufhäusern werden schleichend ausgedünnt; klassische Fachgeschäfte haben zwar noch ihr treues Publikum, aber solche Läden sind selbst in Großstädten an einer Hand abzuzählen. Es gibt zwar ein großes CD-Angebot wie nie, aber befriedigend erschlossen wird es nur durch Internet-Shops. Und da erlebe ich es inzwischen leider in immer mehr Fällen, dass Re-Releases alter Vinylplatten nicht mehr auf CD erscheinen, sondern nur per Download verfügbar gemacht werden.

Bittere These: Daniel, Samuel, Judy sind erfolgreich auf einen Zug aufgesprungen, aber der scheint sich leider nur noch auf einer Nebenstrecke oder gar einem Abstellgleis zu bewegen.

Mir geht es nicht darum, die Erfolge dieser christlichen Künstler madig zu machen, es bleiben immerhin Achtungserfolge, aber wir sollten uns, um nicht Illusionen zu erliegen, langsam wegorientieren von der Fixierung auf den Tonträgermarkt.

Dieser Markt ist für immer weniger Leute überhaupt relevant; das Publikum wird immer kleiner, aber die Zahl der Musiker, die ihn mit Produkten bestücken, und die Zahl der PR-Waschzettelverfasser und der Musikrezensenten im Netz und in Printmedien ist in den letzten Jahren wohl eher größer geworden.

Natürlich werden Leute wie ich wohl noch geraume Zeit auf Neuveröffentlichungen von CDs anspringen; ich werde wohl auch weiterhin CD-Rezensionen verfassen und mir einbilden, den einen oder anderen Klassiker von morgen zu entdecken oder wenigstens ein relevantes Stück Gegenwartskultur, aber wenn ich ehrlich bin, rechne ich kaum damit, dass eine aufregende neue Band mal für Gesprächsstoff im Jugendkreis meiner Tochter sorgen wird, nur weil die Band ein tolles Album veröffentlicht hat.

Samuel Harfst gebührt der eigentliche Respekt dafür, auf der Straße ein Publikum erobert zu haben, das anscheinend eine fünfstellige Anzahl seiner eigenproduzierten CDs als Andenken mit nach Hause nahm. Fast reflexartig wird auf einen solchen Erfolg nach wie vor durch das Wedeln mit einem klassischen Plattenvertrag reagiert. Aber für eine solide künstlerische Existenz ist der heute weniger als die halbe Miete wert.

Ein Künstler, der heute seine Arbeit populär machen möchte, darf nicht nur auf Kunstfertigkeit und Kreativität im Studio setzen – damit gewinnt er bestenfalls ein Nischenpublikum. Er muss Wege suchen, frontal auf viele Menschen zuzugehen – und leider muss er wohl auch mit dem Umstand fertig werden, dass heute für Popularität und Karriere andere Gesetzmäßigkeiten gelten als zu Zeiten, in denen die Massenmedien begrenzter waren und es eine überschaubare Anzahl von Kanälen gibt, über die man sein Gesicht und seine Arbeit populär machen konnte.

Heute wetteifern viel mehr Menschen in viel mehr Medien um Aufmerksamkeit; ein Star wird heute innerhalb kürzester Zeit mit seinen potentiellen Nachfolgern konfrontiert und von diesen verdrängt; er oder sein Management können gar nicht alle Medien besetzen, über die die Konkurrenz zu Ruhm gelangt.

Um auf unsere Szene zurückzukommen: Namen wie Manfred Siebald, Christoph Zehendner, Clemens Bittlinger oder »Arno & Andreas« waren in meiner Generation über Jahre hinweg Allgemeingut und leben damit heute noch vielfach auskömmlicher als wesentlich ambitioniertere Musikerpersönlichkeiten späterer Jahre. Und etwas wie »Heldenstatus« erlangen heute vor allem noch Künstler, die in der Lage sind, Festivals zu rocken.

Auch Daniel Benjamin, Samuel Harfst und Judy Bailey haben sich ihre Reputation zum großen Teil vor Konzertpublikum erworben und werden vor allem an dieser Front weiter kämpfen müssen, um in der kleineren christlichen oder größeren säkularen Szene über längere Zeit präsent zu bleiben.

Wer morgen oder übermorgen an ihrer Stelle stehen möchte, sollte seine Zeit nicht vor allem mit Studiotüfteleien und der Suche nach der idealen Songsequenz fürs Debütalbum verbringen. Es sei denn, er möchte nur Leute wie mich beeindrucken.


Links ins Web
www.judybailey.com
www.samuelharfst.de
www.danielbenjamin.de


blog comments powered by Disqus
drucken |  | leserbrief
»Die im STATEMENT geäußerten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.«

 


Seit wann gibt es eure Band?
1990
Woher kommt die Band?
Alpen-Köln-Heidelberg-Leeds-Birmingham / Deutschland
Beschreibt kurz euren Musikstil?
People-Music: Pop-Praise-Rock-Reggae-Songwriter-African
Seit wann gibt es eure Band?
1986
Woher kommt die Band?
Stuttgart / Deutschland
Beschreibt kurz euren Musikstil?
DANIEL BENJAMIN Young, talented and unsuccessful... The story of an artist who grew up in the wrong decade (maybe) and in the wrong country (definitely). After playing 450 concerts in 15 countries, recording over 150 songs and selling thousands of e.p.s and records without help from managers or record companies there´s one question jumping through Daniel Benjamin´s career: what is the measure of success? From finally having an own drumset in the 80´s, the first punk rock band with 14, own songs, promoting his own live shows, self – releasing recordings made at home until being able to make a living from his own creativity, Daniel Benjamin has scored a lot of goals that most modern „pop stars“ haven´t achieved yet. But still there are no cover stories in magazines or video clips on MTV, no sold out arena gigs and gold records. Everyone who listened carefully could imagine Daniel Benjamin there and he himself would be glad to be the next big thing. His melodies could be little anchors in the heads of millions, his sound can catch the masses and his aura could make him a new icon. But who is gonna bring him there? Where A & R you? Does Daniel Benjamin need Freiheit from D.I.Y.heit?
Seit wann gibt es eure Band?
2006
Woher kommt die Band?
Hüttenberg / Deutschland
Beschreibt kurz euren Musikstil?
New Accoustic Movement - Ein stilvoller Mix aus Gesang, Gitarre, Cello, Rhodes und Percussion - einfach reinhören...

Anzeige


Impressum | © 1999 - 2010 by SOUND7.ORG