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Wie war das noch mit Jens Böttcher?

Blicke zurück vor einem zukunftweisenden Musikkonzert am Sonntag in Köln:

Von Steffen Richter 31.10.2009
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Es ist der neugierigen Flexibilität eines Menschen namens Willi Stier und der ergänzenden beharrlichen Überredungskünste meiner damaligen Kollegin und bis heute guten Freundin Jeannine Hohmann zu verdanken, dass es doch noch was wurde, mit dem Bandübernahmevertrag für die beiden, aus irgendwelchen dunklen Hamburger Hafenspelunken getürmten Musiker.

Mit den vielen Anekdötchen rund um rosenbrock & böttcher ließen sich mitteldicke Bücher füllen. Die wären dann wohl spannend und vor allem anderen humorig. Eigentlich sollte man nicht darüber sprechen, aber in der Musikabteilung von Asaph Musik (in der Kurz-vor-Dortmund-Metropole Lüdenscheid), die ich für ein spannendes Jahr bereichern durfte, herrschte eine klare Abmachung: Im monatlichen Wechsel wurden die reichlich angekarrten Demobänder williger, aber in der Regel definitiv unbegabter Nachwuchskünstler angehört und schnell schriftlich abgewatscht, wie man jenseits von Aschaffenburg zu sagen pflegt.

Und da gibt es dann auch keinen Unterschied zur säkularen Plattenindustrie: Irgendwann kommen formlose Schreiben mit verständnisvollen Sätzen auf den Tisch; an deren Ende dann die Empfehlung: »Werden Sie Koch! Oder Gärtner! Oder peilen Sie beide Ausbildungen an, wegen der Sicherheit und der Arbeitsmarktsituation. Sie wissen schon! Aber bitte: Singen Sie dann nicht wegen der Arbeit!«

In der Regel ist das Abhören so genannter Demobänder eine Strafe, mitunter eine fiese Tortur, viel zu selten lustig und eigentlich nie von Erfolg gekrönt. Eigentlich eine Kohle-in-den-Gulli-Aktion. Vielleicht verschlug mir die Überraschung auch deshalb an diesem trüben Herbstnachmittag anno 2001, es war wohl ein Dienstag, vielleicht auch ein Mittwoch, die Sprache: Die akustischen Aufnahmen dieses Duos aus Hamburg waren nicht einfach nur ungewöhnlich, sondern gut, musikalisch, lyrisch, überhaupt. Diese Musik berührte mein Herz auf eine Weise, wie es vorher und nachher nur selten ein zweites Mal geschah. Und aus Asaph-Perspektive tat sich eine Lücke in der kommerzpopverseuchten Christenecke auf. Natürlich würde das keiner so sagen. Damals nicht, heute nicht. Ich meine es auch so. Heute noch mehr als damals.

Quasi ohne Budget entstand ein Debütalbum, das im Kontext der American Recordings von Johnny Cash innerhalb bestimmter Zirkel durchaus Beachtung fand und in der frommen Szene dennoch nicht verstanden wurde. Leider. Wir ersparen uns die dämlichen Anfeindungen und noch dämlicheren Diskussionen zur Premierenplatte und den ersten Gigs von rosenbrock & böttcher. Nicht sukzessive, eher mit dem dicken Hämmerchen kam die Erkenntnis für Mark Rosenbrock und Jens Böttcher, deren Glauben nicht sozialisiert war, sondern soeben frisch gefunden: Diese fromme Musikszene in Deutschland ist sicher alles andere als ein Kinder liebender Ponyhof.

Heute, im regnerischen Herbst 2009, sind die vergangenen Jahre für Jens Böttcher sicher immens angefüllt mit unschätzbaren Erfahrungen. Es ist davon auszugehen, dass es die vielen Schwierigkeiten, Herausforderungen, Rückschläge, Niederlagen und sicher auch die grandiosen Momente dieser Zeit brauchte, um aus diesem Mann einen der wichtigsten Künstler zu machen unter jenen, die sich auf die Bibel und Jesus Christus als Lebensbasis beruft. Einen hör- und spürbar gesegneten Mann, der Menschen genau in jenen dunklen Ecken abholt, wo sich keiner sonst hin wagt. Ich durfte einige bewegende Momente miterleben und wünsche Jens und seiner Musik auch weiterhin viele hörende, sehende, fühlende Herzen.

Das Ende des Projektes rosenbrock & bottcher nach zwei Alben, jeder Menge Livegerumpel und unzähligen Erfahrungen entwickelte sich zu einer Art künstlerischen Zäsur für den Musikanten Jens Böttcher. Mit jedem neuen Song entwickelte sich seine Idee von dieser neofolkigen Americana deutlicher. Bis heute. Das neue Opus »Viva Dolorosa« setzt diesen Weg unbeirrt fort, auf dem bis dato höchsten Niveau.

Am kommenden Sonntag spielt Jens Böttcher in Köln ein Konzert, mit Freunden für Freunde und solche, die es noch werden könnten. Nichts Ungewöhnliches soweit und möglicherweise ist dieser Abend dennoch eine Art nicht zu unterschätzende Kreuzung auf der Lebensreise von Herrn Böttcher.

Wir werden das überprüfen, präsentieren als Musikmagazin das Geschehen in der Domstadt und hoffen auf einige positive Entscheidungsträger. Ich goutiere derweil eine erste kleine Auswahl der neuen Langspielplatte »Viva Dolorosa« von Jens Böttcher und der Himmelherzband, deren Street Release im Jahre 2010 liegt, und habe, kurz bevor der Flieger nach Kölle geht, noch mal per Skype nach der Befindlichkeit meines nördlichsten Freundes gefragt.

Ein Gespräch an der Gabelung, ein Gespräch zwischen selten Genie und ziemlich viel Wahnsinn, ein Gespräch mit einer Verlosung am Ende; in echt! Scrollt also durch oder lest einfach ein bis fünf Runden.


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