Mehr als Musik
Jeremy Camp und David Crowder in Heilbronn
Von Johann Isaak 13.06.2009
Nach einer Fahrt aus dem Odenwald durch das schöne Neckartal wirkt das Intersport Messe- und Eventcenter »redblue« - ein moderner Bau mit viel Glas, Edelstahl und Stein – fast steril kalt. Vor der Eingangtür hat sich schon eine Menschentraube versammelt, die auf den Einlass wartet. Ein Blick durch die Glaswand des Foyers verrät mir, dass gerade auch noch keine Bewegung an den Kontrollstellen ist. Es ist 18:40, also noch 20 Minuten bis zum offiziellen Beginn. Zehn Minuten später gerät die Traube in Bewegung und pünktlich für den ersten Auftritt sind alle im Inneren des »redblue«.
Die erste halbe Stunde gehört Samuel Harfst mit seinen Kollegen. Dafür, dass sie sich erst seit knapp einem Jahr der breiten Masse präsentiert haben, erweist sich das Publikum erstaunlich textsicher. Songs wie »Wege vor dir« und »Privileg zu sein« werden laut mitgesungen.
Samuel darf dann nach einer Umbaupause die nächste Band ankündigen. Er animiert das Publikum »O, Praise Him« von der »David Crowder Band« anzustimmen. Unter lautem Jubel kommt die Band auf die Bühne und – als ob der Frontmann sein verschrobenes Äußeres unterstreichen wollte – fängt mit dem Matt Redman-Song »Undignified« an. Dann kommen die obligatorischen Versuche amerikanischer Bands deutsch zu sprechen. David Crowder hat sich ein paar wichtige Sätze beibringen lassen. Um in Deutschland zurecht zu kommen: »Wo ist die Toilette?« Und mit »Ich liebe David Hasselhoff.« gewinnt er wohl jedes deutsche Publikum für sich.
Bei dem Publikum in Heilbronn hat er das jedoch überhaupt nicht nötig. Die Leute singen und feiern vom ersten bis zum letzten Lied mit. Das ist auch den beiden Leinwänden rechts und links von der Bühne zu verdanken, an denen alle Texte angezeigt werden. Definitiv eine gute Idee. Und auch die Band gibt alles. Fans aller Facetten der Crowder'schen Musik kommen nicht zu kurz. »I saw the light« in der Banjo-Version, aber auch elektronische Klänge a la »Sunsets & Sushi« werden zum Besten gegeben. Nahezu jeder Titel wird von interaktiven Elementen begleitet, das Publikum ist Bestandteil der Band. Nach dem letzten Lied wird die Zugabe verlangt und ich bin mir nicht sicher, ob die Band das eingeplant hat. Schließlich kommen sie noch einmal auf die Bühne, David Crowder singt »Light of the world...« und überlässt den Gesang dem Publikum. Er setzt erst in der zweiten Strophe wieder ein. Mit dem Lied wird die Lobpreisfeier abgerundet, David Crowder verabschiedet sich und verspricht wieder zu kommen. Und ich denke mir: »Jeremy Camp wird es schwer haben, da noch einen drauf zu setzen.«
Der versteht es aber auch sein Publikum zu bewegen. Das Publikum reagiert am Anfang verhaltener, das ändert sich jedoch nach wenigen Minuten. Jeremy Camp macht deutlich, dass er mehr will als einfach nur seine Setlist abzuspielen. Wie er es im Titelsong seiner neuen Scheibe beschreibt, hat er eine an Verzweiflung grenzende Leidenschaft, der jungen Generation das Evangelium näher zu bringen. So steht er mehrmals mit einer Bibel in der Hand und einem Übersetzer an seiner Seite und bewegt das Publikum auf eine andere Art.
Unnötig zu erwähnen, dass er ein buntes Mix seiner Songs spielt, leisere und lautere, ältere und frischere Lieder wechseln sich ab. Für ihn steht die Botschaft im Vordergrund. So ist es nur konsequent, dass er nach der Zugabe das Evangelium kurz zusammenfasst und für die jungen Leute im Publikum betet, die sich noch nicht für Jesus entschieden haben. Nach dem »Amen« geht er von der Bühne.
Es ist 22 Uhr 30, der Saal leert sich schnell. Ein gelungener Abend und eine gelungene Mischung darf den Veranstaltern attestiert werden. Jeder der drei Künstler hat authentisch und auf seine Art dazu beigetragen, dass hier mehr als nur Musik geboten wurde.
Links ins Web
www.jeremycamp.de
www.jeremycamp.com
www.speakinglouderthanbefore.com
www.davidcrowderband.com
www.samuelharfst.de
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