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I have a dream...

Die Promikon wie sie ist – und wie sie sein sollte


Von Daniel Monninger 03.02.2009


Wenn Martin Luther King wüsste, wofür er alles herhalten muss – er hätte seine berühmte Rede vor dem Lincoln Memorial in Washington D. C. womöglich nie gehalten. Und nun also noch so ein an den Haaren herbeigezogener Vergleich. Ausgerechnet zur Promikon, bei der man in punkto Vision wohl eher an Helmut Schmidt als an Dr. King denkt: »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.« Ihr wisst schon…

Und dennoch: Ich habe einen Traum. Einen Traum von einer Promikon, die das ist, was sie sein könnte und nicht nur das, was sie eben ist. Denn so, wie sie ist, hat sie keine Zukunft. Meine Träume sind nur ein unfertiger Anfang. Deshalb träumt mit mir von einer anderen, einer besseren Promikon. Eure Träume müssen keine perfekten Strategiepläne sein. Eure Träume müssen auch nicht meine Träume sein. Aber, in Gottes Namen (sic!), träumt!

Denn was haben wir jetzt? Einen absolutistischen Herrscher, der von der Promikon im Geiste Ludwig XIV. denkt: »La Promikon, c’est moi.« Was das bedeutet, hat das vor zwei Jahren mit viel Tamtam inthronisierte Kompetenzteam schmerzhaft erleben dürfen. Selten zuvor war in der Christenszene derart viel Sachwissen in einem Gremium vereint. Gute Ideen? Reichlich vorhanden. Entscheidungskompetenz? »Äh, besser nicht!« Und wo war es dieses Jahr, das Kompetenzteam? Schon wieder begraben. Es ruhe in Frieden.

Und so kam es, wie es kommen musste. Die Organisation hakte trotz des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Helfer an zahlreichen Ecken. Und schlenderte man durch die geheiligten Hallen, so war fast überall Bemühen erkennbar, ganz selten Können. Am Ende des Tages fühlte man sich dann wie nach dem Konsum einer großen Zuckerwatte: Sieht verlockend aus, zergeht zu nichts – und hinterher ist einem schlecht.

Ich träume von einer Promikon, die um ihre Stärken weiß und sich auf diese konzentriert, anstatt sich in stümperhaftem Größenwahn zu ergehen. Ich träume von einer Promikon, die zu ihrer Mitte zurückkehrt, anstatt ihre Bestimmung zu suchen.

Denn was die Promikon eigentlich ist und schon immer war, ist nichts anderes als ein großes »Meet & Greet«. Diese Funktion erfüllt die Promikon seit Jahren und wie kein zweites Event in der christlichen Musikszene. Aber braucht man dafür all den Aufwand, all die hysterische Selbstreferenzialität, all den Lärm?

Die Idee der Showcases ist gut und richtig. Junge Künstler brauchen eine Plattform, um sich präsentieren zu können. Mehr denn je. Aber die Promikon, die ich mir erträume, darf hier nicht stehen bleiben. Alle Welt schreit nach mehr Qualität, während die Nachwuchsmusiker weitgehend alleine gelassen werden. Warum die Promikon nicht zu einem Ort des Mentoring machen, an dem es direktes, offenes und konstruktives Feedback zu Musik, Auftreten und Performance gibt? Einen Ort, an dem die Jungen in einem relativ geschützten Rahmen von alten Hasen und erfahrenen Musikern, Produzenten und PR-Profis lernen können. Das sollte ohne großen Aufwand möglich sein. Die meisten dieser Profis waren ohnehin schon immer auf der Promikon zugegen. Und die wenigsten, so vermute ich, würden eine freundliche Bitte um Rat und Tat abschlagen. Man müsste sie nur organisieren…

Und warum die an jeder Ecke (zumindest an jeder Kaffeequelle) stattfindenden Krisendiskussionen und Fachsimpeleien nicht institutionalisieren und bündeln?
Universitäre Wissensproduktion funktioniert genau so. Auf wissenschaftlichen Tagungen werden Kurzreferate gehalten, die anschließend von einer Reihe geladener Diskutanten zerpflückt und weitergedacht werden.

Für die Promikon hieße das: Nicht nur Workshop-Feigenblätter am Vormittag, sondern kleine, vernetzte, gut moderierte Vorträge, die Gegenwart und Zukunft christlicher Musik thematisieren – gehalten von den Besten. Offene, konstruktive Diskussionen mit Diskutanten, die die Breite musikalischen Wissens abdecken. Und das alles in intimer, freundschaftlicher Atmosphäre. Wofür braucht die Promikon Publikum? Damit die Konsumenten die Bands sehen? Sollte es dafür nicht Festivals geben? Damit die saftigen Eintrittspreise die Kosten decken? Nach einem gesunden Schrumpfungsprozess nicht mehr nötig.

Der David/Promikon Award hätte bei all dem keinen Platz mehr. Aber war er je zu etwas nütze? Falls wir einen Award für die christliche Szene brauchen, dann vermutlich nicht im Rahmen der Promikon. Er müsste unabhängig, transparent und relevant sein. Doch den Traum von einem Award mögen Andere nach mir träumen. Ich träume von einer Promikon, die Träumen Gehör schenkt.

Wer Ohren hat zu hören, der höre! Promikon, wache auf und träume!

Die anderen Artikel der Promikon findest du hier

Schöne kleine Welt


Links ins Web
http://www.promikon.de/
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