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Rebell der Liebe

Jens Böttcher im Interview


Von Steffen Richter 06.09.2005


Wie geht es heute Deinem »Himmelherz«, lieber Jens?

Danke, sehr gut. Es schlägt regelmäßig und wir genießen die gemeinsame Lebensreise.

Und wie fühlt es sich an, verlassen worden zu sein?

Ähm…? Ach so, du meinst, dass wir das Projekt »rosenbrock+böttcher« auf Eis gelegt haben? Es fühlt sich gut an, denn für mich beginnt jetzt wieder etwas ganz Neues, Aufregendes!

Zwei Jahre lang hast Du gemeinsam mit Mark Rosenbrock die trockene christliche Szene aufgewirbelt. Was hat sich in der Nach-Mark-Zeit geändert?

Ich habe jetzt noch mehr Optionen und bin noch flexibler. Ich war schon alleine auf Akustik-Tour, kann mit Band spielen oder auch mit Gastmusikern. Das alles funktioniert sehr gut. Tja, und was die »trockene christliche Szene« angeht, habe ich mittlerweile wirklich recht viel gesehen.

Irgendwann letztes Jahr war bei euch auf SOUND7.DE mal ein Zitat von Dan Haseltine (»Jars of Clay«, die Redaktion). Er nannte die christliche Musikszene ein »Monster, von dem keiner weiß, wie man es wieder loswerden kann«. Ich glaube, da steckt sehr viel Wahrheit drin. Wir nehmen uns alle und diesen abgeschlossenen, klitzekleinen Szene-Kosmos so unglaublich wichtig. Dabei ist das Einzige, was in diesem Zusammenhang wirklich wichtig ist, dass wir den Menschen von der Liebe Gottes und Jesus Christus erzählen und singen. Alles andere ist doch bloß »eitle Gockelei«, ob uns der Gedanke nun schmeckt oder nicht.

Deine Musik wird von Experten gerne als »Americana« definiert, was faktisch eine Melange aus Folk und vielen anderen »handmade music«-Einflüssen meint. Den großen Helden dieser Szenerie haftet eine gewisse Rebellen-Attitüde an. Würdest Du diese Rolle für das neue Album »Himmelherz« auch beanspruchen?

Ja, auf eine gewisse Weise schon. Aber ich betrachte es als eine Art Kontra-Revolution, denn es gilt, den eigentlichen Rebellen mit den Waffen der Liebe Gottes zu bekämpfen. Und da Jesus selbst diesen Rebellen in der Bibel den »Fürsten dieser Welt« nennt, nehme ich die Kontra-Revoluzzer-Rolle gerne an.

Ich denke, es geht um persönliche Klarheit. Und darum, aus dieser Klarheit heraus der Verunsicherung in den Herzen der Menschen um uns herum mit der Liebe und der Gnade des Evangeliums zu begegnen. Also, ja, so gesehen bin ich gern ein Rebell der Liebe.

Sarah Brendels Auftritt beim Song »Frieden« gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Platte. Sarahs Stimme klingt dabei ungeschützter, emotionaler und näher als jemals zuvor. Wie war die Zusammenarbeit mit unserer amerikanischen Heldin?

Ich habe keine Worte, die Sarahs Kunst und ihrer Ausstrahlung auch nur annährend gerecht werden könnten. Sie ist fantastisch und gesegnet und etwas absolut Besonderes. Wir sind in den letzten zwei Jahren sehr gute Freunde geworden und ich freue mich riesig über ihren Erfolg und alles, was bei ihr und ihrem Mann Stevie in den USA passiert. Die »Frieden«-Aufnahmesession war entsprechend klasse und total unkompliziert. Es war eine riesige Freude und ein echtes Gottesgeschenk, wieder mit Sarah zusammenarbeiten zu dürfen.

Es gibt kaum einen christlichen Künstler in Deutschland, der seine Hörer direkter mit der Botschaft von Jesus Christus konfrontiert. Eine Methode, die an der frommen Front mitunter stärker polarisiert als bei den Ungläubigen. Was ist Deine persönliche Mission mit dem »Himmelherz«?

Wie gesagt ist die Mission, den Menschen mit diesen Songs von der Liebe Gottes zu erzählen, die sich in Jesus manifestiert. Es ist so ein Hunger in der Welt nach den Antworten, die das Evangelium gibt. Und es geht beim Verkünden nicht um unser Perfektsein, sondern einfach ums Echtsein und Gottes Gnade. Wenn es anders wäre, müssten wir alle lebenslang schweigen!

Im Übrigen mag ich nicht mehr rumfaseln, das hab ich immerhin schon ein ganzes Leben lang vorher gemacht. Ich glaube aber, man kann sich als christlicher Künstler entscheiden. Entweder man betrachtet sich als Künstler, der auch Christ ist, wie zum Beispiel der große Johnny Cash es getan hat oder Bono oder Jason Ringenberg oder viele andere da draußen. Oder als Christ, der auch Künstler ist, wie Brian Doerksen oder »Delirious?« oder all die anderen bedeutenden christlichen Musiker. Ich finde, beides ist vollkommen cool und okay. Gott benutzt uns alle wie wir sind. Und was das Polarisieren in der frommen Szene angeht, wiederhole ich gerne den Satz von Dan Haseltine noch einmal. Wir alle neigen wohl gelegentlich dazu, uns wie die Pharisäer aufzuführen, oder?

Wie zum Geier hast Du es geschafft, einen Fernsehpastor wie Bayless Conley mit einer extrem groovigen Blues Harp derart das Haus rocken zu lassen?

Und noch so ein Gottesgeschenk! Pastor Bayless hat damals meine Frau Petra und mich getauft und ist für uns ein ganz wichtiger und guter Freund geworden. Er ist wunderbar, ein Apostel im Hier und Jetzt! Letztes Jahr waren wir dann zusammen in Stuttgart bei seiner »Jesus on Air«-Evangelisation und Bayless hat mir nachts im Hotel erzählt, dass er immer im Auto Mundharmonika spielt. Ich hab ihn daraufhin spontan eingeladen, beim »Himmelherz« mitzurocken. Er meinte dann noch: »Hm, aber so gut bin ich gar nicht«, und ich hab gesagt: »Macht nix, wir ja auch nicht!«

Und dann lief es darauf hinaus, dass wir dieses Long-Distance-Recording über Internet zwischen Hamburg und Kalifornien veranstaltet haben Und der Hammer ist, wie absolut großartig Bayless in Wirklichkeit spielen kann. Er rockt wirklich wie ein Nashville-Studiomusiker!

Was erwartet Deine Fans bei der Releaseparty zum neuen Album am 17. September in Hamburg?

Ein Konzert im »White Noise«-Tonstudio in Altona. Es werden Henry und Karsten von »Gentle Art« und viele weitere besondere Gastmusiker dabei sein, wir machen es uns gemütlich, zünden ein paar Kerzen an und spielen unsere Songs in so einer Art Unplugged-Atmosphöre. Der Eintritt ist frei und jeder ist willkommen, um 20 Uhr geht’s los. Vielleicht sehen wir uns ja da.

Vielen Dank für das Gespräch.

SOUND7.DE verlost fünf Mal das Album »Himmelherz.

Einfach die Antwort auf folgende Frage zusammen mit dem Namen und Email-Adresse in das untenstehende Formular eintragen und schon bist du bei der Verlosung dabei.

Wie heißt der Pastor, der Jens Böttcher getauft hat und auf »Himmelherz« Blues Harp spielt?

Einsendeschluss ist der 17. September. Die Gewinner werden per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Links ins Web
www.answersBC.com
www.asaph.net
www.u-turn-music.de
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